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Wölfe unterwegs in Hessen

Die historische Ausrottung

Symbolfoto Wolfsbejagung (Archiv AK Hessenluchs)

Im Taunus wurde der letzte Wolf 1841 erlegt. Das war im Brandoberndorfer Wald bei Hasselborn (Lahn-Dill-Kreis). Das Tier wurde präpariert und fristet heute sein Dasein im Arsenal des Landesmuseums Wiesbaden. Im selben Jahr soll auch bei Lorsch (Kreis Bergstraße) ein Tier zur Strecke gekommen sein. Offenbar die letzten Wölfe, die auf dem Gebiet des heutigen Hessen erlegt wurden.

Überliefert sind frühere Abschüsse am Maunzenweiher im Frankfurter Stadtwald und an der Wolfsscheide bei Dietzenbach. Das soll 1798 gewesen sein. 1830 wurde im Umland von Idstein und im Stadtwald von Wiesbaden ein Wolf erlegt.

1840 erwischte es den letzten Wolf im Viernheimer Wald. Damit war die Art in Südhessen aber noch nicht ausgerottet. Noch 1864/65 gab es dort etliche Nutztierrisse, die man Wölfen zuschrieb. Bei Groß-Umstadt (Kreis Darmstadt-Dieburg), sowie in Erbach, Vielbrunn und Bullau im heutigen Odenwaldkreis. 1866 brachte man denn auch bei Eberbach einen Wolf zur Strecke. Das Städtchen liegt im badischen Odenwald, knapp jenseits der heutigen Landesgrenze.

Lit.: Dieter Röckel, Die abenteuerliche Geschichte des letzten Wolfs im Odenwald, Heidelberg 1999

Ein Wolf im Taunus?

Erste Hinweise kamen im Winter 1981/82 aus dem Idsteiner Land. Dort war Forstleuten aufgefallen, dass das Rotwild seine üblichen Einstände nicht mehr aufsuchte. Auch Rehwild ließ sich kaum noch sehen. Schließlich wurden Fährten gefunden, die man einem allein jagenden, großen Hund zuschrieb. Wenig später berichtete ein Waldarbeiter von einem kräftigen, schäferhund-ähnlichen Tier, das er beim Holzeinschlag gesehen hatte.

Im Sommer 1982 wurde dieser „wildernde Hund“ dann bei Bad Camberg erlegt. Der Rüde war etwa 35 Kilo schwer und sah einem Wolf recht ähnlich. Auf den Vorderläufen wies er einen schwarzen Längsstreifen auf, wie er bei der italienisch-französischen Unterart des Wolfes vorkommt. Daher informierte der Erleger die Obere Naturschutzbehörde beim RP Darmstadt.

präparierter Wolfsschädel (Foto: Susanne Jokisch, Hessen-Forst FENA)

Nachdem das tote Tier fast ein Jahr in seiner Tiefkühltruhe verbracht hatte, ging er allerdings zurecht davon aus, dass die Behörde keinerlei Interesse hatte. Er ließ das Fell gerben und präparierte den Schädel, der mittlerweile von Fachleuten begutachtet wurde. Ein „echter“ Wolf wird weitgehend ausgeschlossen. Vermutet wird ein wolfsähnlicher Hund oder ein Wolf-Hund-Hybride. Gewissheit brächte die geplante DNA-Analyse, die allerdings derzeit noch aussteht.

Waldeck-Frankenberg: Landrat gibt Wolf zum Abschuss frei

Vöhl am Edersee, April 1994. Berufsjäger Willi Lotze war mit seiner neuen Videokamera im Revier und wollte von einem Hochsitz aus Rehe filmen. Für seine Enkelkinder. Doch stattdessen kam ein Wolf vorbei, alt und grau, mit eingefallener Rückenlinie. Willi Lotze hielt drauf. Tage später wurden zwei gerissene Muffel-Widder gefunden, in ihrer Nachbarschaft die Trittsiegel eines großen Caniden. Hund oder Wolf?

Man ordnete die gerissenen Tiere dem alten Video-Wolf zu.
Im Landkreis Waldeck-Frankenberg wurden nun warnende Stimmen laut. So ein wilder Wolf sei sicher gefährlich und müsse zum Schutze der Bevölkerung erschossen werden. Kindergärten sagten Waldausflüge ab, einige Rentner nahmen einen Knüppel mit, wenn sie zum Dämmerschoppen in den Dorfkrug gingen. Der zuständige Landrat sah „eine öffentliche Gefahr“ und gab den damals bereits streng geschützten Isegrim zum Abschuss frei. Daraufhin wurde Willi Lotze aus ganz Hessen angerufen. Besorgte Bürger baten ihn inständig, dem Tier nichts zu leide zu tun. „So an die zwei Prozent der Anrufer wollten den Abschuss“, erinnert sich der Berufsjäger, „alle Anderen waren strikt dagegen“. Der alte Wolf wurde nie wieder gesehen.

Der Wolf im Reinhardswald

Gut zehn Jahre später trifft ein zugewanderter Wolf auf eine völlig andere Stimmung. Die Lokalpresse feiert ihn als Bereicherung Nordhessens, eine Radiowelle schreibt einen Wettbewerb zur Namensfindung aus. Das prominente Tier ist ein junger Rüde. Die Hörer favorisieren daher den Namen „Reinhard“, abgeleitet von seinem aktuellen Jagdrevier, dem Reinhardswald. Dem Wolf war das wurscht.

Der Wolf im Reinhardswald (Foto: Jochen Dörbecker)
Der erste Fotobeweis: „Reinhard“ im Reinhardswald (2008)
(zum Vergrößern klicken)

Er stammte aus der polnisch-ostdeutschen Population und hatte es von der Lausitz bis zur Oberweser geschafft. Westlich von Reinhardshagen sah man ihn zum ersten Mal. Das war im März 2006. Weitere Beobachtungen folgten, aber die Behörden blieben skeptisch. Anfang Mai 2008 gelang dann ein gestochen scharfes Farbfoto. Da der Aufnahmeort nachgeprüft werden konnte, war damit die Existenz des Wolfes bewiesen.

Der mit blutigen Märchen belastete Beutegreifer war in sein angestammtes Verbreitungsgebiet zurückgekehrt. Zurück um zu bleiben. Gut 150 Jahre nach seiner vollständigen Ausrottung.

Zwischen 2006 und 2011 notierte das Forstamt Reinhardshagen 76 Sichtungen. Das Tier hat dabei den gesamten Reinhardswald zwischen Hannoversch Münden und Bad Karlshafen als Lebensraum genutzt. Ein Schafsriss im angrenzenden nordrhein-westfälischen Muddenhagen war ihm durch eine DNA-Analyse eindeutig zu zuordnen. Ob die Wolfssichtungen und Fotos im benachbarten niedersächsischen Solling ebenfalls auf den „Reinhardswälder“ zurück gehen, konnte nie geklärt werden. In den fünf Jahren seiner Anwesenheit wurde er für das Reißen von einem Zwerg-Zebukalb, 76 Schafen, zwei Ziegen, vier Stück Rotwild und einem Reh verantwortlich gemacht. Ob er da jedesmal der Täter war, muss offen bleiben.

Am 13. April 2011 wurde der Wolf von Waldarbeitern des Forstamtes verendet aufgefunden. Er war schon weitgehend verwest. Laut Untersuchungsbericht der Universität Gießen starb das Tier eines natürlichen Todes.
In seinem „Nachruf“ auf den Reinhardswald-Wolf schreibt das Umweltministerium:

„Das Land bekannte sich offensiv zum Wolf und begrüßte seine Zuwanderung. Informationsveranstaltungen und regelmäßige Medienberichte entschärften die anfänglichen Vorbehalte der Bevölkerung gegen den Wolf.
Die mit der Anwesenheit eines Großraubtieres verbundenen Lasten, insbesondere die Nutztierverluste, wurden unbürokratisch ersetzt. Großzügige Beschaffungsbeihilfen für wolfssichere Schafzäune leisteten einen weiteren wichtigen Beitrag zur Entschärfung des Schafhalter/Wolf-Konflikts. Dabei können die vergleichsweise geringen Schafsrisse in 2010 schon als erste Erfolge dieser Wolfsprophylaxe bezeichnet werden. Die Schafhalter können jetzt erst einmal die wolfssicheren Zäune zur Seite legen.
Allerdings ist es heute nicht mehr völlig abwegig, schon bald wieder einen Wolf im Reinhardswald beobachten zu können. Durch die kontinuierliche Vergrößerung der ostdeutschen Wolfspopulation werden stetig neue Gebiete durch Jungwölfe besiedelt. Die Entfernungen zum Reinhardswald verkürzen sich.“

(HMUELV, Presseinformation Nr.101, 14.04.2011)

Der hinkende Wolf bei Gießen

Pohlheim bei Gießen, Januar 2011. Ein hinkender Wolf wird an einer Tankstelle gesehen. Später dann auch auf einer Straße und auf einem nahen Wiesengelände. Es gelingen zwei brauchbare Fotos, die ein bräunlich gefärbtes, wolfsähnliches Tier zeigen, das seinen rechten Hinterlauf nachzieht. Die Verletzung war augenscheinlich gravierend. Das Tier konnte sich nur noch langsam fortbewegen. „Der Hinterlauf war völlig zertrümmert und drehte sich in alle Richtungen“, erinnert sich Didi Schmandt, der Fotograf der Bilder: „Ich konnte deutlich sehen, dass er mehrfach gebrochen war. Aufgrund des Bewegungsablaufs vermute ich, dass das Tier auch innere Verletzungen hatte.“

Einen örtlichen Jäger befällt sofort der traditionelle „Hegegedanke“. Er fordert öffentlich, den „armen Wolf“ von seinen Leiden zu erlösen. Naturschutzverbände rufen zur Mäßigung auf und stellen sich schützend vor das Tier. Schließlich wird das Fahrzeug ausgemacht, das den mutmaßlichen Wolf angefahren hatte. Haarproben werden sichergestellt und vom Forschungsinstitut Senckenberg untersucht. Die Oberste Naturschutzbehörde teilte mit:

„Die Untersuchung (...) ergab, dass es sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um einen Wolf handelt. Das Ergebnis zeigt, dass das Tier aus der italienisch-schweizerisch-französischen Wolfspopulation und damit aus diesem Gebiet stammt. Ob das Tier selbständig über Süddeutschland zugewandert oder auf andere Weise nach Hessen gelangt ist, bleibt unklar. Dass das Tier im Raum Gießen bleibt, ist unwahrscheinlich, da das Gebiet zu zerschnitten und zu stark besiedelt ist. Dennoch haben wir ein Interesse an weiteren Meldungen, falls der Wolf zufällig gesehen werden sollte.“
(HMUELV, eMail v. 20.01.2011)

Das Geschlecht des Tieres blieb ungeklärt. Dennoch war behördenintern fortan von „Pierre-Luigi“ die Rede.

Ende Januar 2011 wurde „Pierre-Luigi“ noch zweimal gesehen. Zunächst bei Bettenhausen, einem Dorf im Südosten des Kreises Gießen. Kurz danach tauchte er im Südwesten auf: bei Kirch-Göns, einem Ortsteil von Butzbach. Dazwischen liegen gut 12 km Luftlinie, sowie die Autobahnen A 45 und A 5. Seine körperliche Verfassung wird widersprüchlich beschrieben. Einmal wirkte er müde und langsam, ein andermal war er so flott unterwegs, dass ihn ein Radfahrer nicht einholen konnte.

Danach ließ sich der Wolf nicht mehr sehen.

„Pierre-Luigi“ unterwegs im Westerwald

Im Februar 2012 wurde in der Nähe des Westerwalddorfes Steimel (Landkreis Neuwied/Rheinland-Pfalz) ein wolfsähnliches Tier beobachtet. Das Gebiet liegt etwa 30 km von der hessischen Grenze entfernt. Es gelangen etliche Fotos und eine Videoaufnahme. Anhand der Bilddokumente gehen Experten davon aus, dass dort tatsächlich ein Wolf unterwegs war. Das Video belegte einen eingeschränkten Bewegungsablauf: der Wolf zog den rechten Hinterlauf nach.

Wolf im Westerwald (Foto: Uli Stadler)
Der hinkende Wolf im Westerwald

Dieses Handicap ließ sofort an „Pierre-Luigi“ denken. Eine Vermutung, die auch für jenes „wolfsähnliche Tier“ gelten kann, das im Januar 2012 in Hessen gesehen wurde. In den Feldern bei Schöneck-Oberdorfelden (Main-Kinzig-Kreis) konnte ein Autofahrer bis auf drei Meter an das Tier herankommen. Es lief eine Weile unbeeindruckt vor seinem Auto her. Sein Fell wird als „struppig“ beschrieben, die Farbe als „schmutzig-braun mit schwärzlicher Schattierung in der vorderen Körperhälfte“. Das Tier war in etwa so groß wie ein Schäferhund und zog seinen rechten Hinterlauf nach.

Der „Westerwälder“ wurde am 20. April 2012 bei Hachenburg (Rheinland-Pfalz) von einem Jäger erschossen. Angeblich hielt er ihn für einen wildernden Hund. Die DNA-Untersuchung belegte, dass das männliche Tier zur südwesteuropäischen Unterart gehörte. Der Vergleich mit dem Genprofil von „Pierre-Luigi“ brachte dann die Gewissheit, dass es derselbe Wolf war, der bereits Anfang 2011 durch Hessen streifte. Der Unfall im Landkreis Gießen hatte ja bei „Pierre-Luigi“ zu einer schweren Verletzung am rechten Hinterlauf geführt. Bei dem erschossenen Wolf fanden die Veterinärpathologen genau dort eine verheilte Fraktur. Ein weiterer Nachweis, der den genetischen Befund bestätigte.

Wolf im grenznahen Siegerland

Am 22.01.2015 dokumentierte eine Fotofalle im Landkreis Siegen-Wittgenstein (NRW) einen Wolf. Nach Presseberichten stand die Kamera auf dem Pfannenberg zwischen Neunkirchen-Salchendorf und Siegen-Eiserfeld. Von dort sind es etwa 2 km nach Rheinland-Pfalz und 10 km nach Hessen.

Mehr zum Wolf an der Landesgrenze in der Pressemitteilung des nordrhein-westfälischen Umweltministeriums.

 

Toter Wolf im Main-Kinzig-Kreis

Am 9. März 2015 fand die Autobahnpolizei auf der A66 bei Bad Soden-Salmünster (Main-Kinzig-Kreis) eine tote Wölfin, die überfahren worden war. Das ein- bis zweijährige Tier wog ca. 40 kg. Laut Genanalyse des Forschungsinstituts Senckenberg gehörte es zur „mitteleuropäischen Tieflandpopulation“. Die Wölfin kam also aus dem deutschen Verbreitungsgebiet oder aus Westpolen. Die Zuordnung zu einer bestimmten Region war nicht möglich.

Wolf in Frankfurt überfahren

Auf der A 661 überfahrener Wolf (Foto: Polizei Frankfurt)

Am 21. April 2015 wurde auch auf der A 661 im Stadtgebiet Frankfurt ein Wolf überfahren. Die genetische Untersuchung ergab, dass das männliche Tier ebenfalls zur mitteleuropäischen Population gehörte und ein Nachkomme des „Gartower Rudels“ im Landkreis Lüchow-Dannenberg (Niedersachsen) war. Dort wurde 2013 ein Wolfspaar bestätigt, das 2013 sechs und 2014 sieben Welpen hatte.

Die Gen-Analyse durch das Forschungsinstitut Senckenberg (Gelnhausen) ergab weiterhin, dass der „Frankfurter Wolf“ den Haplotypen HW02 aufwies. Bei der am 9.März auf der A 66 bei Bad Soden-Salmünster überfahrenen Wölfin wurde jedoch der Haplotyp HW01 festgestellt. Damit steht fest, dass beide Tiere zwar zur mitteleuropäischen Population gehören, aber nicht unmittelbar miteinander verwandt sind. Die regionale Herkunft des ersten Unfallopfers bleibt weiter ungeklärt.

Das in Frankfurt gefundene Tier scheint nach dem äußeren Eindruck ein einjähriger Jungwolf zu sein. Letzte Sicherheit erwarten die Behörden von der pathologischen Untersuchung des Tierkörpers.

„Wolfsähnliches Tier“ im Lahn-Dill-Kreis

Mitte Mai 2015 wurde das Tier bei Wetzlar von der Fotofalle eines Jägers erfasst. Die Aufnahme hatte der Landesjagdverband Wolfskennern in Sachsen und in Norddeutschland vorgelegt. Die hielten das Tier mit hoher Wahrscheinlichkeit für einen Wolf. In einer Einschätzung aus dem Umweltministerium hieß es, die Bildqualität lasse eine genaue Zuordnung nicht zu. Eine durch Hessen-Forst FENA veranlasste Begutachtung des Bildes durch Experten habe zu keinem eindeutigen Ergebnis geführt. Da der Kopf nicht klar erkennbar sei, könnte es sich auch um einen Fuchs gehandelt haben. Zudem könne die Optik von Wildkameras zu Verzerrungen führen. Weiter hieß es: „Wir schließen nicht aus, dass es sich hierbei um einen Wolf gehandelt haben kann, können es aber auch nicht bestätigen. Sicherheit könnte nur eine DNS-Untersuchung bringen.“ Nachdem Ende Januar 2015 eine Fotofalle im angrenzenden Landkreis Siegen-Wittgenstein (NRW) einen Wolf belegt hatte, waren auch Sichtungen im Lahn-Dill-Kreis erwartet worden. Der Wolf war damals nur 10 km von der hessischen Grenze entfernt.

Wolf im Landkreis Kassel fotografiert

Anfang März 2016 geriet ein Wolf bei Söhrewald-Wellerode (Landkreis Kassel) in den Sensorbereich einer Fotofalle, die im Rahmen des Luchs-Monitorings ausgebracht war.


Das Foto dokumentiert den ersten lebenden Wolf in Hessen seit Januar 2011. Damals war der Rüde „Pierre-Luigi“ bei Gießen von einem Auto angefahren worden und hinterließ sein Genprofil. Kurz danach wurde er auch fotografiert.

Weiterer Wolfsnachweis in Nordhessen

Am 9. März 2016 dokumentierte erneut eine Fotofalle des Luchs-Monitorings einen Wolf. Dieses Mal bei Witzenhausen-Hubenrode (Werra-Meißner-Kreis). Der Fotovergleich legt nahe, dass es sich um jenes Tier handelt, das bereits Anfang März im Landkreis Kassel in eine Fotofalle gelaufen war. Die Aufnahmeorte liegen 21 Kilometer voneinander entfernt. Zudem wurde Ende April im Umland von Sontra (Werra-Meißner-Kreis) ein „wolfsähnliches Tier“ beobachtet. Es könnte sich um denselben Wolf gehandelt haben.


 

Wolf bei Marburg überfahren

Am 6. Mai 2016 entdeckte ein Radfahrer neben der L 3088 bei Marburg einen toten Wolf. Der junge Rüde war offensichtlich überfahren worden. Genetische Untersuchungen des Forschungsinstituts Senckenberg ergaben, dass das Tier aus Ostdeutschland zugewandert war. Wie die hessische Wolfsbeauftragte Susanne Jokisch mitteilte, sei die Zuordnung zu einem bestimmten Elternpaar nicht möglich. Die DNA lege aber eine Herkunft aus der Lausitz nahe. Von einer Obduktion beim Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin erwartet man weitere Erkenntnisse.

Es ist nicht auszuschließen, dass bei Marburg jener Wolf zu Tode kam, der im März 2016 in Nordhessen zweimal fotografiert werden konnte. Der Nachweis ist aber nicht zu erbringen, da es von jenem Tier bislang kein Genprofil gibt, das einen Vergleich ermöglichen würde.

Wolf im grenznahen Sauerland

Wolf südöstlich von Brilon (NRW); Foto: LANUV NRW

Am 25. Februar 2017 wurde südöstlich von Brilon (NRW) ein „wolfsähnliches Tier“ beobachtet, das parallel zu einer Landstraße lief. Es konnte aus einem Auto heraus fotografiert werden. Experten der „Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf“ haben bestätigt, dass es sich um einen Wolf handelt. Sein Geschlecht war anhand der Fotos nicht zu erkennen. Auch der Aufnahmeort zwischen Hoppecke und Bontkirchen wurde überprüft. Er liegt nur wenige Kilometer von der hessischen Landesgrenze entfernt.

Wolf bei Twistetal gefilmt

Am Abend des 27. April 2017 wurde bei Twistetal (Kreis Waldeck-Frankenberg) ein Wolf beobachtet. Das Tier überquerte eine Landstraße und verschwand dann ohne Hast in den Feldern. Dabei gelangen einem Autofahrer Videoaufnahmen mit seinem Mobiltelefon. Das dokumentierte Tier wurde von Experten der „Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf“ (DBBW) als junger Wolf bestätigt. Sein rötlich erscheinendes Fell ist keine reale Farbvariante. Der Eindruck entsteht durch das Licht der tiefstehenden Abendsonne.


 

Da Ende Februar bei Bontkirchen (NRW) ebenfalls ein Wolf dokumentiert wurde, ist es natürlich denkbar, dass es sich damals um dasselbe Tier gehandelt hat. Der Aufnahmeort im Sauerland liegt etwa 22 km Luftlinie von Twistetal entfernt. Beweisen lässt sich das allerdings nicht, da es von beiden Wölfen keine genetischen Befunde gibt.

Experten bestätigen Wolf im grenznahen NRW

Am Abend des 24.05.2017 traf im Rothaargebirge ein Bauer beim Mähen auf einen jungen Wolf. Dabei gelang ein Video mit einem Mobiltelefon. Der Aufnahmeort liegt im Gemeindegebiet von Alertshausen (Kreis Siegen-Wittgenstein), das unmittelbar an Hessen grenzt.


 

Der Bauer berichtet, dass sich das Tier seinem Traktor mehrfach genähert habe, so dass er es filmen und fotografieren konnte. Wildtiere nehmen Personen in oder auf Fahrzeugen in der Regel nicht wahr. Das Verhalten des Jährlingswolfes deuten Experten als Verunsicherung. Offenbar habe das Tier nicht so recht gewusst, was es von dem lärmenden Ackerfahrzeug halten sollte.

Spaziergänger fotografieren Wolf

Am Abend des 31. Mai 2017 gelangen bei Biebertal (Landkreis Gießen) mehrere Aufnahmen eines Wolfes. Das Tier wurde in den Feldern westlich des Hofgutes Haina von zwei Spaziergängern entdeckt, die es mit einem Mobiltelefon fotografierten. Die „Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf“ (DBBW) hat mittlerweile die Fotos ausgewertet und bestätigt. Vermutlich handelt es sich um ein einzelnes, vorjähriges Jungtier, das auf Reviersuche ist. Der Jährlingswolf trägt offensichtlich ein Beutetier im Fang, dessen Konturen ein Rehkitz nahelegen.

Nach dem Wolfsnachweis vom 27. April bei Twistetal (Kreis Waldeck-Frankenberg) und den Nachweisfotos aus dem grenznahen Nordrhein-Westfalen vom 24. Mai (Alertshausen) und 25. Februar (Bontkirchen), kann man natürlich darüber spekulieren, ob dort womöglich dasselbe Tier dokumentiert wurde. Die Qualität der Aufnahmen reicht aber für einen Foto-Vergleich nicht aus. Auch gibt es bislang keine Genproben der gemeldeten Wölfe. Es muss offen bleiben, ob der „Biebertaler Wolf“ noch in der Region ist. Im Juni gab es in Hessen keine neuen Sichtungen.

Wieder ein Wolf in Nordhessen?

Am 3. und 4. August 2017 wurde im Südteil des Reinhardswaldes zwischen Holzhausen, Gahrenberg, Hann. Münden und Wilhelmshausen ein „wolfsähnliches Tier“ gesichtet. Dabei gelangen einem Revierleiter von HessenForst mehrere Fotos mit seinem Mobiltelefon, deren Qualität leider keine eindeutige Artbestimmung zulässt.

Hinzugezogene Experten konnten zumindest nicht ausschließen, dass auf den Bildern ein Wolf zu sehen ist. Wissenschaftlich eindeutige Belege fehlen bisher. Auch die Fotofallen des Luchs-Monitorings im Reinhardswald konnten das Tier bislang nicht dokumentieren. So bleibt abzuwarten, ob genetisches Material gefunden wird oder weitere Fotos die Vermutung erhärten.

Das Umweltministerium bittet Schaf- und Ziegenhalter in dieser Gegend vorsorglich, ihre Zäune zu kontrollieren und insbesondere bei Elektrozäunen auf die Stromspannung zu achten, da auch von frei laufenden großen Hunden eine Gefahr ausgehen könne.

Laut Ministerium besteht für Spaziergänger im Reinhardswald keine Gefahr, trotzdem sollten Hunde in der nächsten Zeit nur angeleint geführt werden. Bei einem (eher unwahrscheinlichen) Kontakt reiche meist ein lautes Rufen aus, um einen Wolf zu vertreiben. Auf keinen Fall solle man versuchen, das Tier anzulocken oder gar zu füttern. Das Ministerium ruft dazu auf, weitere Beobachtungen via Mail an wolf@umwelt.hessen.de zu melden. (Quelle: Pressemitteilung 245-0808 HMUKLV)

Im Odenwald ist ein Wolf unterwegs

Nachdem bereits Mitte August 2017 im Raum Wald-Michelbach (Kreis Bergstraße) ein wolfsähnliches Tier gesehen wurde, gelangen dort Anfang September einem Naturfotografen mehrere Aufnahmen. Die Fotos wurden mittlerweile von Experten der DBBW überprüft und das Tier als Wolf bestätigt. Am Aufnahmeort wurden zudem die üblichen Kontrollfotos gemacht, die sicherstellen, dass das Tier nicht in einem Wildpark fotografiert wurde.

Damit ist gut 150 Jahre nach seiner historischen Ausrottung wieder ein Wolf im Odenwald unterwegs. Dort war der „letzte Wolf“ 1866 bei Eberbach am Neckar erschossen worden.

Da das Tier schon längere Zeit im selben Gebiet jagt und auch immer mal wieder gesehen wurde, ist es zumindest denkbar, dass der mutmaßlich vorjährige Jungwolf nicht nur auf Stippvisite ist, sondern ein festes Revier bezogen hat.

Nach den Schafsrissen im Odenwald Mitte November stand erstmals Genmaterial zur Verfügung, das aber nur den Haplotypen (Gengruppe) des Tieres belegte, das an drei Orten Beute gemacht hatte. In allen Fällen wurde dieselbe Gengruppe ermittelt, so dass nahe liegt, dass jeweils derselbe Wolf im Spiel war. Der könnte nun auch am 26. November bei Bad Wildbad im Nordschwarzwald Schafe gerissen haben. Das dort ermittelte Genprofil belegt denselben, seltenen Haplotypen wie im Odenwald und konnte das Tier einem Rudel in Schneverdingen (Lüneburger Heide) zuordnen.
Derselbe Haplotyp beweist aber zunächst nur, dass der Wolf in Bad Wildbad und der im Odenwald auf jeden Fall eng verwandt sind. Sie könnten aber auch identisch sein. Von den „Tatorten“ im Odenwald bis in den nördlichen Schwarzwald sind es etwa 140 km Luftlinie.

Nutztiere im Odenwald von Wolf gerissen

Im November 2017 wurden auf einer Weide bei Hesseneck-Kailbach (Odenwaldkreis) sieben gerissene Schafe gefunden. Fünf weitere Tiere waren verletzt. Pfotenabdrücke und Bissspuren belegten einen großen Caniden, der die Herde mit 230 Schafen attackiert hatte. Die Spurenlage ließ offen, ob ein Wolf oder ein streunender Hund als „Täter“ in Frage kam. Nach Auswertung der Genproben wurde vom Forschungsinstitut Senckenberg ein männlicher Wolf bestätigt, der aus der mitteleuropäischen Tieflandpopulation stammt. Das Tier ist also aus den deutschen Wolfsgebieten oder aus Westpolen zugewandert. Das Genmaterial ließ allerdings keine Individualisierung des Tieres zu.

Wenige Tage zuvor waren bereits im 15 km entfernten Mossautal-Hüttenthal eine Ziege und ein Schaf gerissen worden. Ihr Halter gab an, auf der Weide ein „wolfsähnliches Tier“ gesehen zu haben. Auch hier wurden Genuntersuchungen veranlasst, die den Wolfsverdacht inzwischen bestätigt haben.
Am 20. November 2017 wurden dann auf einer Weide bei Erbach-Lauerbach vier weitere Schafe entdeckt, die durch einen Kehlbiss verendet waren. Dort wurde ebenfalls ein Wolf genetisch nachgewiesen. Von Hüttenthal nach Lauerbach sind es nur 5 km Luftlinie. Es liegt nahe, dass es sich an allen drei Orten um dasselbe Tier gehandelt hat. Dass dieser Wolf jenes Tier ist, das Anfang September bei Wald-Michelbach fotografiert wurde, scheint plausibel. Doch Beweise gibt es dafür nicht.

In Kailbach wie in Hüttenthal hatte man die Weiden nur an drei Seiten mit Elektrozäunen gesichert. Die jeweils angrenzenden Bäche waren ohne Zaun. Eine Einladung an alle Fressfeinde und an Hunde, die ihren Jagdtrieb ausleben wollen. Auch die kleine Herde bei Lauerbach war nicht wirksam geschützt. Aktuelle Vorfälle in der Lausitz und in Niedersachsen belegen, dass Wölfe erst durch unzureichende Zäune lernen, dass Weidetiere leichte Beute sind. So konditionieren verantwortungslose Tierhalter die großen Beutegreifer auf Schafe, Ziegen und neuerdings auch auf Rinder.

Dieser nachlässige Herdenschutz verstößt zudem gegen §3 der „Verordnung zum Schutz landwirtschaftlicher Nutztiere“, der den Halter verpflichtet, seine Tiere vor Beutegreifern zu sichern. Zumal bereits seit September bekannt ist, dass im Odenwald ein Wolf nachgewiesen wurde.

Die Pressemitteilung des Umweltministeriums finden Sie hier.

Wolf im Taunus unterwegs?

Seit 2017 im Odenwald ein Wolf nachgewiesen wurde, haben auch im Taunus die Meldungen zugenommen. Es blieb aber stets unklar, ob da wirklich Wölfe oder eben nur „wolfsähnliche Hunde“ beobachtet wurden. Am 18. März 2018 nahm der angebliche „Taunuswolf“ dann endlich Konturen an. Aus Lorch-Ransel (Rheingau-Taunus-Kreis) erreichten etliche Fotos, die mit einem Mobiltelefon aufgenommen wurden. Sie zeigen in großer Entfernung ein „wolfsähnliches Tier“.


Die gerade Rückenlinie und die hängende Rute passen durchaus zu einem Wolf. Weitere Kennzeichen sind leider nicht auszumachen. Auf Nachfrage wurde uns versichert, dass es dort im Umland keinen größeren Haushund gibt, auf den die Fotos passen könnten. Wir schließen also einen Wolf nicht aus. Die Aufnahmequalität reicht aber nicht für einen handfesten Nachweis.

Am selben Tag gelangen einem Jagdaufseher beim nicht weit entfernten Hofgut Oder Videoaufnahmen aus dem fahrenden Auto, die ebenfalls ein wolfsähnliches Tier zeigen. Die Fachleute der DBBW fanden aber dessen Merkmale nicht hinreichend deutlich, um es eindeutig als Wolf zu bestätigen. Die Aufnahmen wurden vom Urheber nicht zur Veröffentlichung freigegeben. Es liegt nahe, dass es sich um dasselbe Tier gehandelt hat, das zuvor bei Ransel fotografiert wurde.

Wölfe im Westerwald und in der Rhön

Mitte Mai 2018 wurde auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Daaden/Stegskopf im rheinland-pfälzischen Westerwald ein wolfsähnliches Tier fotografiert, das von der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) als Wolf bestätigt wurde. Ob es sich bei dem Tier um einen der bereits nachgewiesenen Wölfe aus Rheinland-Pfalz handelt, kann auf Grundlage des Fotos nicht beurteilt werden. Daaden liegt in einem „Dreiländereck“. Die Landesgrenzen zu NRW und Hessen sind nur wenige Kilometer entfernt.

Bereits Ende April 2018 war bei Unterelsbach im bayerischen Landkreis Rhön-Grabfeld ein Wolf in eine Fotofalle getappt. Spaziergänger hatten das Tier zuvor bereits mehrfach gesehen. Vom Aufnahmeort sind es ganze 15 km Luftlinie bis nach Gersfeld in der hessischen Rhön. Dort gab es allerdings keine Hinweise, die nahelegen, dass das Tier zuvor in Hessen unterwegs war.

Wölfe an Hessens Grenzen

Bei Marienmünster im Landkreis Höxter (NRW) konnte im Juni 2018 ein Wolf fotografiert werden. Die Aufnahmen gelangen einem Autofahrer am späten Abend. Dies bestätigte das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV), das die Meldung erst im Juli erhalten hatte. Der Aufnahmeort wurde mittlerweile überprüft. Die Landesgrenze zu Hessen ist nur 20 km entfernt.

Auch in der bayerischen Rhön wurde im Juni 2018 ein Wolf nachgewiesen. Das Tier tappte nahe der hessischen Grenze in die Fotofalle eines Jägers. Die Aufnahme entstand an einer jagdlichen Einrichtung, vermutlich einer Fütterung. Das legt der verdichtete Boden nahe. Zudem steht im Hintergrund eine Salzlecke für Wild. Vom Aufnahmeort ist lediglich bekannt, dass er nur 13 km von Hessen entfernt liegt. Es ist nicht auszuschließen, dass es sich dabei um dasselbe Tier gehandelt hat, das im April 2018 bei Unterelsbach (Kreis Rhön-Grabfeld) fotografiert wurde.

Wolf im grenznahen Thüringen

Ende Juni 2018 konnte bei Schmalkalden (Thüringen) ein Wolf fotografiert werden. Es gelangen mehrere Aufnahmen. Das dokumentierte Tier wurde von der Thüringer Landesanstalt für Umwelt (TLUG) als Wolf bestätigt. In diesem Jahr gab es bereits etliche Sichtungen in der Region, die naturgemäß nicht zu belegen waren. Schmalkalden liegt in einem „Dreiländereck“. Nach Hessen und Bayern sind es nur wenige Kilometer.

Dass es sich bei dem augenscheinlich männlichen Tier um einen Wolf-Hund-Mischling vom Truppenübungsplatz Ohrdruf bei Gotha handelt, konnte ausgeschlossen werden, da die dort damals noch vermuteten drei Jungtiere rein schwarz gefärbt waren. Ihr Papa war ein Labrador. Laut Umweltministerium wurde der Aufnahmeort zeitnah überprüft. Die Kontrolle ist obligatorisch und soll sicherstellen, dass angebliche Belegfotos nicht in einem weitläufigen Wildpark entstanden.

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