Hier erfahren Sie mehr über den Luchs in Hessen
Aktuell
Februar 2012
In Nordhessen gelangen in einem zusammenhängenden Waldgebiet mehrere Zufallsaufnahmen von Jungluchsen. Alle Beobachter berichten übereinstimmend von fünf Luchsen: eine Luchsin mit vier Jungtieren. Allerdings war es nicht möglich, die vollzählige Luchsfamilie auf ein Foto zu bekommen.
Die spektakulärste Aufnahme entstand Ende Dezember im Kaufunger Wald. Auf diesem Foto haben sich drei der vier Jungtiere um die führende Luchsin gruppiert. Ein Jäger war durch seinen Hund auf den Familienverband aufmerksam geworden. Er bestieg einen Hochsitz und bat den zuständigen Revierförster telefonisch, mit einem Fotoapparat vorbei zu kommen. Beide Beobachter hatten dann eine gute Stunde Zeit, um die Tiere abzulichten.
Im Januar konnte dann auch bei Melsungen und bei Söhrewald eine Luchsfamilie dokumentiert werden. Die Fotos belegen jeweils drei Luchse, vermutlich zwei Jungtiere bei ihrer Mutter. An beiden Plätzen wurden weitere zwei Jungluchse beobachtet. Sie blieben aber kamerascheu.
1–3: Luchsgruppe, Jungluchs und Luchsin bei Söhrewald; 4: Luchsgruppe bei Melsungen (zum Vergrößern klicken)
Die Aufnahmeorte sind nicht mehr als 15 km Luftlinie voneinander entfernt. Es ist also naheliegend, dass es sich jeweils um dieselbe Luchsfamilie gehandelt hat. Zu belegen ist das allerdings nicht.
Ein Wolf im Main-Kinzig-Kreis?

Dieses Foto ist nur ein „Symbolbild“. Der Wolf wurde im
Tierpark Goldau/Schweiz von Mario Theus fotografiert…
(zum Vergrößern klicken)
Am 28. Januar 2012 wurde bei Schöneck-Oberdorfelden (Main-Kinzig-Kreis) ein wolfsähnliches Tier gesehen, das in der derzeit deckungslosen Feldmark unterwegs war. Sein Fell wird als „struppig“ beschrieben, die Farbe als „schmutzig-braun mit schwärzlicher Schattierung in der vorderen Körperhälfte“. Das Tier war in etwa so groß wie ein Schäferhund und zog seinen rechten Hinterlauf nach. Mutmaßlich die Folge eines Verkehrsunfalls.
Weitere Hinweise nimmt der AK Hessenluchs gerne entgegen: 0611 - 84 65 43. Wir rufen zurück…
Luchsberichte
Die aktuelle Auswertung unseres Fotofallen-Monitorings (pdf·1,3 MB) steht mittlerweile im Netz – ergänzt durch einen Anhang mit Fallenfotos (pdf·4,1 MB).
Zum Jahreswechsel wurde bereits unser „Luchsbericht 2011“ (pdf·890 KB) veröffentlicht. Die zugehörige Fotodokumentation finden Sie ebenfalls in einem separaten Anhang (pdf·7,8 MB).
Weiter finden Sie auf den Seiten des Arbeitskreises Hessenluchs:
- Die Telefonnummern der Luchsbeauftragten in Ihrem Landkreis, die Ihre Luchsbeobachtung (Sichtung, Rissfund, Fährte, Ruf) gerne entgegennehmen und ein offenes Ohr für Ihre Fragen zum Thema Luchs haben.
- Unser virtuelles Merkblatt Luchsspuren hilft bei der Identifikation von Luchsnachweisen aller Art.
- Unter dem Stichwort Der Luchs finden Sie einen Rückblick auf die Einwanderung der Luchse in unser Bundesland und wichtige Daten zu ihrer Biologie.
- Die Luchsmeldungen dokumentieren die neuere Entwicklung.
- Außerdem bieten wir ausgewählte Artikel aus der Presse zum Thema „Luchs in Hessen“
- und kündigen interessante Luchs-Veranstaltungen an.
- Auch die Wölfe finden bei uns ein Refugium. Wir haben die Beobachtungen in Hessen zusammengestellt.
- Auf der Seite „Über uns“ erfahren Sie, wer hinter dem "Arbeitskreis Hessenluchs" steckt.
Video rechts:
Ende September 2005 lief bei Marburg ein Luchs durch den Aufnahmebereich einer Überwachungskamera.
Mobile Fotofallen sind einsatzbereit
Der Arbeitskreis verfügt über mobile Fotofallen, die im Werra-Meißner-Kreis und im Rhein-Main-Gebiet „stationiert“ sind. Sie sind jederzeit einsatzbereit, wenn aus irgend einem Teil Hessens ein gerissenes Wild- oder Nutztier gemeldet wird, das von einem Luchs erbeutet wurde. Wichtig ist, dass das gerissene Tier dann unberührt am Fundort verbleibt und möglichst rasch ein für den Landkreis zuständiger Luchsbeauftragter informiert wird. Da der Luchs in der Regel mehrfach zu seiner Beute zurückkehrt, sind die Chancen gut, dass er dabei die Fotofalle auslöst. Wir installieren die Spezialkamera stets in Absprache mit dem Jagdausübungsberechtigten. Bei Nutztieren (Schafe, Ziegen, Gatterwild) wird natürlich der Besitzer hinzugezogen.
Rückblick: Die vergangenen Monate
Luchs erlag Herzversagen
Anfang Oktober 2011 wurde bei Söhrewald (Landkreis Kassel) ein verendeter Luchs gefunden. Der Größe nach handelte es sich um ein ausgewachsenes Tier. Die wenig entwickelten Hoden legten jedoch nahe, dass es ein junger Luchskuder in seinem zweiten Lebensjahr war. Das Tier lag vermutlich schon eine Woche im Wald.
Als Todesursache ermittelte die Universität Gießen akutes Herz-Kreislaufversagen als Folge einer massiven Abmagerung, einer sogenannten Kachexie. Der Luchs wog nur noch 15 kg. Seinem Lebenssalter entsprechend, wären um die 20 kg zu erwarten gewesen.
Die Einwirkung äußerer Gewalt, etwa durch einen Verkehrsunfall oder eine Schussverletzung, wurde ausgeschlossen. Es gab auch keinen Hinweis auf Cumarin (Rattengift), mit dem „Hundehasser“ gewöhnlich Fleischbrocken und Wurststücke präparieren. Die Ursache für die Auszehrung des Tieres konnte allerdings nicht geklärt werden. An den inneren Organen wurden keine Erkrankungen gefunden, die erklären könnten, warum der Magen-Darm-Trakt nahezu „futterleer“ war. Der Luchs war offenbar in seinen letzten Lebenstagen nicht mehr im Stande zu jagen. Kachexie tritt bei Wildtieren häufig dann auf, wenn der Darm stark von Parasiten befallen ist. Eier von Haar- und Spulwürmern wurden zwar gefunden, belegen aber keinen massiven Befall. Die Parasiten könnten aber die Abmagerung beschleunigt haben.
Aus der Fachliteratur wissen wir, dass für junge Luchse das erste Jahr nach der Trennung von der Mutter eine riskante Lebensphase ist. Dann sind die Tiere auf Suche nach einem eigenen Revier und legen große Strecken auf unbekanntem Terrain zurück. Offenbar sind sie dann auch anfällig für eine Vielzahl von Krankheiten. Nur ein Viertel der Jungluchse übersteht diese Zeit.
Fotogener Luchs am Riss
Bei Spangenberg (Schwalm-Eder-Kreis) wurde im Mai 2011 ein totes Reh gefunden, das Merkmale eines Luchsrisses aufwies. Ein Jäger hatte den Fund dem lokalen Luchsbeauftragten gemeldet und mit ihm abgesprochen, am Riss eine Fotofalle zu installieren. Als er dann am frühen Abend auf die Wiese zurückkam, war der Luchs schon bei seiner Beute. Glücklicherweise war eine Kamera zur Hand. Die ungewöhnliche Begegnung konnte vom Auto aus dokumentiert werden. Entfernung zu Luchs und Riss: ganze 80 m.
„Cooler“ Luchs im Vogelsberg
Im April 2011 ist im Vogelsbergkreis erstmals ein handfester Luchs-Nachweis gelungen. Nächtliche Fotoaufnahmen aus einem Waldareal bei Schlitz belegen ein erwachsenes Tier, das offenbar beim Jagen angetroffen wurde.
Der Luchs saß in der Dämmerung auf einem Fahrweg und interessierte sich augenscheinlich für etliche Rehe, die etwas weiter weg auf einer Wiese ästen. Ein Jäger konnte mit seinem Fahrzeug bis auf 15 Meter an das Tier heranfahren und vom Auto aus fotografieren. Der Luchs blieb unbeeindruckt. Erst als der Jäger ausstieg und einige Schritte auf die große Katze zuging, stand das Tier auf und entfernte sich ohne Hast.
Nach etlichen Sichtbeobachtungen und einem Riss im November 2005 war es in den letzten Jahren im Vogelsberg ruhig geworden. Das Flächenmonitoring des Forstamtes Schotten mit 10 Fotofallen (seit Anfang 2011) blieb bislang ohne Ergebnis.







