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Informationen zu Luchs und Wolf in Hessen

Aktuell – neue Meldungen über Luchs und Wolf in Hessen

Mai 2019

Auch in diesem Jahr lädt der Arbeitskreis Hessenluchs wieder zu seiner Fortbildung ein. „Luchsspuren 14“ findet am Samstag, dem 25. Mai, in der Naturschutzakademie in Wetzlar statt und steht allen Interessierten offen.

Thema des Wildbiologen Paolo Molinari (Tarvisio) wird das Management großer Beutegreifer in Italien und der dortige Umgang mit Mischlingswölfen sein. Von Markus Port (Uni Göttingen) erwarten wir die obligate Bilanz des Foto-Monitorings in Nordhessen und erfahren von ihm auch Details der neuen Monitoringprojekte in Thüringen, an denen er maßgeblich beteiligt ist. Die Interaktion zwischen Luchs und Reh ist das Thema eines Forschungsprojektes in der Pfalz, das Carolin Tröger und Ulf Hohmann von der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft (Trippstadt) vorstellen werden. Die Ermittlung von Genprofilen bei Luchs und Wolf wird uns dann Carsten Nowak (Wildtiergenetik Senckenberg, Gelnhausen) näherbringen. Ergänzend gibt uns seine Kollegin Laura Hollerbach praktische Hinweise zur Beprobung von Rissen und Kot für die DNA-Bestimmung und erläutert ihre Suchhund-Einsätze beim Monitoring großer Beutegreifer.

Die Veranstaltung ist kostenlos, hat allerdings eine Anmeldefrist bis 10. Mai. Laden Sie sich die Einladung mit Anmeldeabschnitt (pdf·160 KB) herunter. Sie darf gerne an Interessierte weitergegeben werden.

Luchs „M9“ nimmt eine Abkürzung

Der in Niedersachsen besenderte Luchs „M9“ ist weiterhin im Werra-Meißner-Kreis unterwegs. Mitte März lief er ausgesprochen entspannt durch einen Bauernhof in einem Ortsteil von Hessisch Lichtenau. Die dort installierte Überwachungskamera erfasste ihn kurz nach Mitternacht.


 

Da in und an dem Gehöft keine Nutztiere gehalten werden, ging es offensichtlich nicht um einen Beutezug. „M9“ wollte wohl lediglich zu einem nahen Waldrand und die Durchquerung der Hofstelle war der kürzeste Weg. Inzwischen hat das Luchsprojekt Harz die Funksignale des Kuders ausgewertet und seinen Aufenthalt im Westen von Hessisch Lichtenau bestätigt.

Toter Wolf bei Herborn wurde zuvor gefilmt

Laut Umweltministerium wurde am 28.02.2019 an der Autobahn A 45 bei Herborn (Lahn-Dill-Kreis) ein toter Wolf entdeckt, der offenbar von einem Kraftfahrzeug getötet worden war. Die kräftige Wölfin wog 35 Kilogramm. Das Forschungsinstitut Senckenberg ermittelte bei ihr die Gengruppe HW01 und konnte sie so der mitteleuropäischen Flachlandpopulation zuordnen. Inzwischen wird davon ausgegangen, dass es sich um jenes Tier handelt, das bereits am 26.02. zwischen Steinperf und Bottenhorn (Kreis Marburg-Biedenkopf) von einer Spaziergängerin gefilmt worden war.


 

Am 27.02. war dann bei Bottenhorn ein überfahrenes Reh gefunden worden, das ein großer Beutegreifer als Aas genutzt hatte. An den Einbissen wurden genetische Proben gezogen und untersucht. Sie stimmten mit dem Genprofil der toten Wölfin überein, die also in der Nähe des Aufnahmeortes war. Unwahrscheinlich, dass es dort einen zweiten Wolf gab, der der Spaziergängerin vor die Kamera lief. Die Genetik belegt zudem, dass das tote Tier nicht jene Wölfin ist, die auf dem Truppenübungsplatz Daaden mehrfach genetisch nachgewiesen wurde. Darüber war spekuliert worden, da das Militärareal im rheinland-pfälzischen Westerwald nur 25 km Luftlinie vom Unfallort entfernt liegt.

Mittlerweile hat sich ebenfalls herausgestellt, dass der am 19.02.2019 auf der A6 bei Öhringen (Baden-Württemberg) überfahrene Wolf jenes Tier war, das Mitte Januar aus dem Wildpark Knüll bei Homberg/Efze (Schwalm-Eder-Kreis) entkommen konnte. Der Gehegewolf wurde durch einen implantierten Chip identifiziert.

Video belegt „neuen“ Luchs im Reinhardswald

Die Luchssichtungen der letzten Monate im Reinhardswald (Landkreis Kassel) wurden mittlerweile von einer Videoaufnahme bestätigt, die einem Revierleiter von HessenForst Anfang Januar im Nordosten des Waldgebietes gelang.


 

Die Nähe zur niedersächsischen Grenze lässt vermuten, dass dieses Tier aus dem 30 km entfernten Solling zugewandert ist, wo 2018 auch Luchsnachwuchs belegt werden konnte. Ob es sich bei dem Luchs um ein Weibchen oder einen Kuder handelt, lässt sich anhand der Aufnahme nicht klären. Deutlich ist allerdings, dass das Tier kein Senderhalsband trägt. Die Suche nach genetischem Material im Umfeld blieb leider ohne Erfolg.

Schafe bei Hessisch Lichtenau gerissen

„M9“ bei Hessisch Lichtenau (Foto: Mike-Patrick Heinemann)
„M9“ bei Hessisch Lichtenau

Als Hobbyzüchter Mike-Patrick Heinemann Mitte Januar auf seine Weide bei Hessisch Lichtenau (Werra-Meißner-Kreis) kam, lagen seine zwei Zwerg-Schafe tot hinter dem Elektrozaun. Nur wenige Meter daneben bewachte ein Luchs mit Senderhalsband die beiden Risse. Der entfernte sich nun ohne Hast über die Nachbarweide und konnte dabei fotografiert werden. Der zuständige Luchsbeauftragte dokumentierte die typischen Fraßspuren und die ordnungsgemäße Zäunung durch 1,20 m hohe Gitternetze, die ausreichend Strom aufwiesen. Das Luchsprojekt Harz bestätigte wenig später verdichtete Ortsmeldungen von Kuder „M9“ auf Heinemanns Weide. Der „Täter“ war identifiziert.

Schon Wochen zuvor hatte „M9“ an der Landesgrenze bei Hann. Münden für Aufsehen gesorgt, als er dort am vierten Adventssonntag ein gerissenes Reh bewachte und sich von Spaziergängern nicht weiter stören ließ (siehe unten).
Seine Telemetrie-Daten zeigen, dass er sich wenig später für die Rückkehr nach Hessen entschied, wo er bereits 2016 nachgewiesen worden war. Damals wurde er bei uns als „Pou“ registriert.

Bei seiner neuerlichen „Hessen-Tour“ ab Ende Dezember wurde „M9/Pou“ nicht nur kontinuierlich geortet, sondern auch am 28.12.18 bei Alheim (Kreis Hersfeld-Rotenburg) fotografiert. Das Senderhalsband war nicht zu übersehen. Danach zog er wieder gen Norden in den Werra-Meißner-Kreis, wo er auf die beiden Zwerg-Schafe traf. Die Kleinwüchsigkeit der Tiere dürfte dabei eine Rolle gespielt haben, denn andere, normal große Schafe auf Heinemanns Weide hat er nicht angerührt. Der Züchter bedauerte natürlich den Verlust seiner seltenen Quessant-Schafe, zeigte aber auch Verständnis für den Luchs, der ja „erlaubte“ und „unerlaubte“ Beutetiere nicht unterscheiden könne. Natürlich habe auch die Großkatze das Recht, in Hessens Wäldern zu leben.

Kuder „M12“ im badischen Odenwald?

Mitte Dezember 2018 lief bei Elztal (Neckar-Odenwald-Kreis) ein Luchs in eine Fotofalle, der unübersehbar ein Senderhalsband trug. Für die Fachleute der FVA Freiburg war naheliegend, dass das Tier aus dem Harz zugewandert war, da dort etliche Tiere mit Sender unterwegs sind. Das Luchsprojekt Harz vermutete den Kuder „M12“, der im Sommer 2018 nach Mittelhessen abgewandert war und dort im Spätherbst letztmalig geortet wurde. Danach fiel sein Sender aus.

Die Nachtaufnahme mit Infrarot war leider zu unscharf, um „M12“ durch einen Fellmustervergleich sicher zu bestätigen. Sollte die Vermutung zutreffen, hätte das Tier vom Ort der Besenderung bei Bad Pyrmont (Niedersachsen) bis in den badischen Odenwald eine Entfernung von 220 km (Luftlinie) hinter sich gebracht. In Wirklichkeit dürfte die Strecke deutlich länger gewesen sein. „M12“ hätte damit den bisherigen Streckenrekord eines Harzluchses eingestellt, der im Frühjahr 2018 bei Welzow in der sächsischen Lausitz aufgetaucht war. Auch dort wurden 220 km Luftlinie ermittelt.

Luchs „M9“ an der Landesgrenze

Spaziergänger hatten die Luchsbeauftragte alarmiert. Oben im Wald läge ein „unfreundlicher Luchs“ direkt neben dem Weg, der alle Leute mit Hunden aggressiv anfauche. Und das an einem friedvollen Sonntagmorgen, einen Tag vor Heiligabend. Über Facebook gab es schon erste Fotos und der Aufmarsch der Neugierigen hielt an.

Der Ort der Aufregung lag im Stadtwald von Hann. Münden (Niedersachsen), ganze 30 Meter von der hessischen Grenze entfernt. „Der Luchs schien sehr gelangweilt“, so die Luchsbeauftragte Petra Walter, Revierleiterin bei HessenForst, die praktischerweise in Münden zuhause ist. „Er döste im Wegedreieck zweier Hauptspazierwege, gähnte ab und zu herzhaft, streckte sich gelegentlich und wedelte freundlich mit dem Stummelschwanz. Nicht ohne Starallüren – wie mir schien. Eine Distanz von 10 Meter Entfernung zu den Menschen beunruhigten ihn nicht sonderlich. Lediglich aufdringliche Hunde brachten ihn in Wallung und führten zu Scheinangriffen.“

Der Luchs hatte einen guten Grund, dort zu sein. Er bewachte ein frisch gerissenes Reh, das er mit Laub abgedeckt und so nahezu unsichtbar gemacht hatte. Seine Ohrmarke und sein Senderhalsband legten nahe, dass er aus dem Harz zugewandert war. Ole Anders vom Luchsprojekt Harz wurde hinzugezogen und identifizierte das Tier als Kuder „M9“, der am 6. Dezember 2018 bei Seesen (Harz) zum zweiten Mal besendert worden war. Bereits 2016 war er in Nordhessen in etliche Fotofallen geraten und wurde damals „Pou“ getauft. Kurz danach konnte er bei Hedemünden (Niedersachsen) erstmals mit einem Sender versehen werden. Seit damals führt ihn das Luchsprojekt Harz als „M9“. Irgendwann verlor „Pou/M9“ dann dieses erste Senderhalsband und geriet aus dem Blick.
Nun stand er kurz vor seiner Rückkehr nach Hessen und um ihn herum die aufgeregten Spaziergänger und Hobbyfotografen. Um die Situation im Mündener Stadtwald zu beruhigen, entschied man schließlich, den Riss an eine nahe, aber unzugängliche Stelle zu verlegen, an der „Pou“ die Chance hatte, ihn erneut in Besitz zu nehmen.

Fotofalle bestätigt Luchs im Spessart

Anfang November fand ein Jäger auf einer Waldwiese bei Sinntal (Main-Kinzig-Kreis) ein frisch gerissenes Reh, das lediglich einen Kehlbiss aufwies. Er zog die zuständige Luchsbeauftragte hinzu. Eine Fotofalle wurde installiert und nur wenige Stunden später geriet ein Luchs in ihren Sensorbereich. Da die Optik der Kamera beschlagen war, zeichneten sich nur Konturen ab.

Ebenfalls abgelichtete Mäusebussarde konnten als Größenvergleich herangezogen werden. Damit war eine Verwechslung mit der deutlich kleineren Wildkatze ausgeschlossen. Eine Wundrandprobe vom Kehlbiss brachte leider keinen weiteren Beleg, da die DNA nicht zu ermitteln war. Die Fotos sind im aktuellen Erfassungsjahr die erste Bestätigung der Großkatze im hessischen Spessart. Bereits im Mai wurde in diesem Teil des Waldgebiets ein Luchs beobachtet, der aber nicht dokumentiert werden konnte.

Zwei Luchse auf Wanderschaft

Seit Mitte August ist der Luchs M12 in Hessen unterwegs. Der Kuder war im April bei Bad Pyrmont vom Luchsprojekt Harz besendert worden und wanderte anschließend durch NRW, um dann bei Diemelstadt die hessische Landesgrenze zu überqueren.

 

Seither war er auf striktem Südkurs und hatte Mitte September den Raum Gießen erreicht. Seine Telemetrie-Daten laufen regelmäßig beim Luchsprojekt Harz auf und belegen, dass er auch im Oktober noch in dieser Region unterwegs war. Dort gab es auch eine Sichtung, die durch die Ortsmeldungen des Tieres bestätigt werden konnte.

Luchs-Kuder Yuki in Fotofalle bei Melsungen (Foto: Luchsprojekt Uni Göttingen/Hessenluchs)
„Yuki“ bei Melsungen (2017)

Zeitgleich zog es den Kuder „Yuki“ zurück in den Harz. Er war seit 2016 in Nordhessen resident, wurde aber im Januar 2018 dort zum letzten Mal durch eine Fotofalle nachgewiesen. Ende Juni fand man dann bei Tanne (Harz) seine genetischen Spuren an einem Riss, im Juli lief er dort auch in eine Fotofalle. „Yuki“ ist gebürtiger Niedersachse. Im November 2015 hatte ihn das Luchsprojekt Harz bei Königskrug erstmals genetisch identifiziert. Da war er noch mit seiner Mama unterwegs.

 

„Luchsbericht 2018“ veröffentlicht

In Hessen dürften im Erfassungsjahr 2017/18 zeitweise bis zu 10 Luchse gelebt haben. Doch seit 2015 konnte kein Nachwuchs mehr dokumentiert werden. Das geht aus dem „Luchsbericht 2018“ hervor, den das Umweltministerium am 12. Oktober veröffentlicht hat. Ein Teil der geschätzten Anzahl bestand zudem aus Tieren, die nur wenige Male erfasst wurden und vermutlich nur durchgewandert sind. Erneut wurde ein Luchs Opfer des Straßenverkehrs, was angesichts der geringen Individuenzahl besonders tragisch ist. Ein weiteres Tier verendete an Krankheiten, die bei der Obduktion nicht geklärt werden konnten.

Hessischer Luchsbericht 2018 erschienen

Im Frühjahr 2017 wurden im Landkreis Hersfeld-Rotenburg zwei Luchse gemeinsam während der Paarungszeit beobachtet. Doch leider blieb der erhoffte Fortpflanzungsnachweis aus. Voraussetzung für eine erneute Reproduktion in Hessen dürfte die Zuwanderung erwachsener Weibchen sein. Da die Harz-Population sich aber nur langsam nach Süden ausbreitet und Fernwanderungen bei Luchsweibchen eher selten sind, wird eine baldige Veränderung der Situation in Hessen nicht erwartet.

Im Erfassungszeitraum konnten in einem 950 km² großen Untersuchungsgebiet in Nordhessen fünf verschiedene Luchse durch Fotofallen nachgewiesen werden. Allerdings waren vier der identifizierten Tiere eindeutig männlich. Das Geschlecht des fünften Luchses blieb ungeklärt. Es ist völlig offen, ob residente Kuder an ihren Streifgebieten festhalten, wenn sie dort über Jahre auf keine Weibchen treffen.

Mehr dazu im „Luchsbericht 2018“ (pdf·6 M) und in der Pressemitteilung des Umweltministeriums.

Wölfe an Hessens Grenzen

Bei Marienmünster im Landkreis Höxter (NRW) konnte Anfang Juni ein Wolf fotografiert werden. Die Aufnahmen gelangen einem Autofahrer am späten Abend. Dies bestätigte das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV), das die Meldung erst im Juli erhalten hatte. Der Aufnahmeort wurde mittlerweile überprüft. Die Landesgrenze zu Hessen ist nur 20 km entfernt.

Auch in der bayerischen Rhön wurde Ende Juni ein Wolf nachgewiesen. Das Tier tappte nahe der hessischen Grenze in die Fotofalle eines Jägers. Die Aufnahme entstand an einer jagdlichen Einrichtung, vermutlich einer Fütterung. Das legt der verdichtete Boden nahe. Zudem steht im Hintergrund eine Salzlecke für Wild. Vom Aufnahmeort ist lediglich bekannt, dass er nur 13 km von Hessen entfernt liegt.

Bereits im April war bei Unterelsbach (Kreis Rhön-Grabfeld) ein Wolf fotografiert worden. Es ist nicht auszuschließen, dass es sich dabei um das selbe Tier gehandelt hat.

Wolf im grenznahen Thüringen

Ende Juni konnte bei Schmalkalden (Thüringen) ein Wolf fotografiert werden. Es gelangen mehrere Aufnahmen. Das dokumentierte Tier wurde von der Thüringer Landesanstalt für Umwelt (TLUG) als Wolf bestätigt. In diesem Jahr gab es bereits etliche Sichtungen in der Region, die naturgemäß nicht zu belegen waren. Schmalkalden liegt in einem „Dreiländereck“. Nach Hessen und Bayern sind es nur wenige Kilometer.

Dass es sich bei dem augenscheinlich männlichen Tier um einen Wolf-Hund-Mischling vom Truppenübungsplatz Ohrdruf bei Gotha handelt, kann ausgeschlossen werden, da die dort noch immer vermuteten drei Jungtiere rein schwarz gefärbt sind. Ihr Papa war ein Labrador. Laut Umweltministerium wurde der Aufnahmeort mittlerweile überprüft. Die Kontrolle ist obligatorisch und soll sicherstellen, dass angebliche Belegfotos nicht in einem weitläufigen Wildpark entstanden.

Weitere Informationen und den Link zum Meldebogen für Wolfshinweise finden Sie auf unseren Seiten zum Wolf in Hessen.

Wölfe im Westerwald und in der Rhön

Mitte Mai wurde auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Daaden/Stegskopf im rheinland-pfälzischen Westerwald ein wolfsähnliches Tier fotografiert, das von der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) als Wolf bestätigt wurde. Ob es sich bei dem Tier um einen der bereits nachgewiesenen Wölfe aus Rheinland-Pfalz handelt, kann auf Grundlage des Fotos nicht beurteilt werden. Daaden liegt in einem „Dreiländereck“. Die Landesgrenzen zu NRW und Hessen sind nur wenige Kilometer entfernt.

Bereits Ende April war bei Unterelsbach im bayerischen Landkreis Rhön-Grabfeld ein Wolf in eine Fotofalle getappt. Spaziergänger hatten das Tier zuvor bereits mehrfach gesehen.

Vom Aufnahmeort sind es ganze 15 km Luftlinie bis nach Gersfeld in der hessischen Rhön. Dort gibt es allerdings bislang keine Hinweise, die nahelegen, dass das Tier zuvor in Hessen unterwegs war oder mittlerweile über die Landesgrenze eingewandert wäre. Vermutlich ist dieser Wolf ein vorjähriges Jungtier auf der Suche nach einem Partner und einem Revier. Er kann längst über alle Berge sein.

Wolf im Taunus unterwegs?

Seit 2017 im Odenwald ein Wolf nachgewiesen wurde, haben auch im Taunus die Meldungen zugenommen. Es blieb aber stets unklar, ob da wirklich Wölfe oder eben nur „wolfsähnliche Hunde“ beobachtet wurden. Mitte März hat der angebliche „Taunuswolf“ nun endlich Konturen angenommen. Aus Lorch-Ransel (Rheingau-Taunus-Kreis) erreichten uns vor kurzem Fotos, die mit einem Mobiltelefon aufgenommen wurden. Sie zeigen in großer Entfernung ein „wolfsähnliches Tier“.


Die gerade Rückenlinie und die hängende Rute passen durchaus zu einem Wolf. Weitere Kennzeichen sind leider nicht auszumachen. Auf Nachfrage wurde uns versichert, dass es dort im Umland keinen größeren Haushund gibt, auf den die Fotos passen könnten. Wir schließen also einen Wolf nicht aus. Die Aufnahmequalität reicht aber nicht für einen handfesten Nachweis.

Suchhund „Maple“ im Wispertal eingesetzt

Ende März war das Forschungsinstitut Senckenberg mit einem Suchhund im Raum Heidenrod (Rheingau-Taunus-Kreis) unterwegs. Ziel der zweitägigen Begehung war das Auffinden von Luchslosung, die Aufschluss über das Genprofil der dort streifenden Luchse geben sollte. Vorausgegangen waren etliche Sichtungen und Rufe in den Wäldern des oberen Wispertals. Noch im Dezember 2017 wurde dort eine authentische Luchsfährte dokumentiert.

Leider blieb diese erste Suchaktion ohne Resultat, da bei Schnee und strengem Frost die „Geruchsfahne“ von Wildtierkot kaum ausgeprägt ist und daher nicht sonderlich weit reicht. Es könnte also durchaus ein „Fundstück“ im Suchbereich gelegen haben. Trotzdem war es für Laura Hollerbach und ihre speziell ausgebildete Hündin „Maple“ nicht zu finden. Die Begehung wurde vom Arbeitskreis Hessenluchs beauftragt und von der Bürgerstiftung „Unser Land! Rheingau und Taunus“ finanziell gefördert. Nach einer erneuten Luchssichtung in den nächsten Monaten soll die Suche im Bereich Heidenrod noch einmal gezielt aufgenommen werden.

Luchsfährte im Taunus

Vor einiger Zeit erreichten uns zwei Fotos aus dem Raum Heidenrod (Rheingau-Taunus-Kreis), die bereits im Dezember 2017 entstanden sind. Damals war eine Hundeführerin während einer Bewegungsjagd im Hinterlandswald auf die Fährte einer großen Katze gestoßen, die über den Stamm eines umgestürzten Baumes balanciert war. Dies ist einer jener seltenen Fälle, in denen der Luchs seine Krallen ausfährt. Die fotografierten Abdrücke sind katzentypisch, weil die „Nägel“ in kurzem Abstand vor den Zehenballen aufsetzen.

Anders als etwa bei Fuchs, Wolf und Hund, wo sich die Krallen direkt an der Pfote abzeichnen.

Die Größe der Trittsiegel wurde auf 8x7 cm geschätzt, der Durchmesser des Stammes auf etwa 50 cm. Damit wären die Pfotenmaße plausibel und nur ein Luchs käme in Frage. Wildkatzen-Abdrücke sind deutlich kleiner.

Die Aufnahmen entsprechen allerdings nicht den Monitoring-Standards des Bundesamtes für Naturschutz, die einen vergleichenden Maßstab im Bild verlangen. Deshalb können sie nicht als C2-Meldung gewertet werden. Wir haben sie daher nur als C3-Hinweis eingestuft.

Begegnung im grenznahen Thüringen

Anfang Januar war eine Spaziergängerin mit ihrem Hund bei Gerstungen (Thüringen) auf dem ehemaligen „Kolonnenweg“ entlang der alten innerdeutschen Grenze unterwegs. Um die Mittagszeit bemerkte sie in etwa 60 m Entfernung einen Luchs, der ihr langsam folgte, aber stets den Abstand einhielt. Als sie stehen blieb, setzte sich das Tier auf den Weg und schaute interessiert zu Hund und „Frauchen“. Schließlich verschwand es in aller Ruhe im Unterholz. Dabei gelangen ein Video und etliche Fotos.


 

Der historische Weg verläuft entlang der heutigen Landesgrenze zu Hessen. Die Begegnung korrespondiert denn auch mit kontinuierlichen Luchsnachweisen im benachbarten Landkreis Hersfeld-Rotenburg.

Bereits im Sommer 2017 war in dem Waldgebiet bei Gerstungen ein Luchs fotografiert worden, der einen Hochsitz als Ausguck für die Jagd genutzt hatte. Der erste Nachweis im westlichen Thüringen. Mitte Januar 2018 lief auch im 30 km entfernten Nationalpark Hainich ein Luchs in eine Fotofalle. Dort hatte man seit Jahren Fährten und Risse gefunden, aber das Tier nie nachweisen können.

Der Luchs in den Landkreisen

Die „veralteten“ Beiträge der aktuellen Seite wurden früher nur intern archiviert. Wir machen sie nun nach und nach auf unseren Landkreis-Seiten zugänglich. Dort wurden mittlerweile die interessantesten Luchshinweise aus acht Kreisen und einem Stadtgebiet zusammengestellt und aktualisiert.

Faltblatt als Download

Das Faltblatt „Der Luchs ist zurück in Hessen“ (pdf·1 MB), das das Umweltministerium in Zusammenarbeit mit dem AK Hessenluchs herausgegeben hat, steht nun auch als Download im Netz. Es enthält einen kurzen „Steckbrief“ des Luchses und beantwortet die häufige Frage nach der Gefährlichkeit der Tiere für Menschen und Hunde. Thema ist auch die Perspektive des bislang kleinen, hessischen Luchsbestands.


Weiter finden Sie auf den Seiten des Arbeitskreises Hessenluchs:


Luchs in Überwachungskamera

  • Die Telefonnummern der Luchsbeauftragten in Ihrem Landkreis, die Ihre Luchsbeobachtung (Sichtung, Rissfund, Fährte, Ruf) gerne entgegennehmen und ein offenes Ohr für Ihre Fragen zum Thema Luchs haben.
  • Unser virtuelles Merkblatt Luchsspuren hilft bei der Identifikation von Luchsnachweisen aller Art.
  • Unter dem Stichwort Der Luchs finden Sie einen Rückblick auf die Einwanderung der Luchse in unser Bundesland und wichtige Daten zu ihrer Biologie.
  • Die jährlichen Luchsberichte (pdf·6 M) dokumentieren die neuere Entwicklung.
  • Außerdem bieten wir ausgewählte Artikel aus der Presse zum Thema „Luchs in Hessen“
  • und kündigen interessante Luchs-Veranstaltungen an.
  • Auch die Wölfe finden bei uns ein Refugium. Wir haben die Beobachtungen in Hessen zusammengestellt.
  • Auf der Seite „Über uns“ erfahren Sie, wer hinter dem „Arbeitskreis Hessenluchs“ steckt.

 

Video rechts:
Ende September 2005 lief bei Marburg ein Luchs durch den Aufnahmebereich einer Überwachungskamera.

Mobile Fotofallen sind einsatzbereit

Luchs in Fotofalle in Hessen / Schwalm-Eder-Kreis
Schnappschuss mit Selbstauslöser
(zum Vergrößern klicken)

Der Arbeitskreis verfügt über mobile Fotofallen, die im Werra-Meißner-Kreis und im Rhein-Main-Gebiet „stationiert“ sind. Sie sind jederzeit einsatzbereit, wenn aus irgend einem Teil Hessens ein gerissenes Wild- oder Nutztier gemeldet wird, das von einem Luchs erbeutet wurde. Wichtig ist, dass das gerissene Tier dann unberührt am Fundort verbleibt und möglichst rasch ein für den Landkreis zuständiger Luchsbeauftragter informiert wird. Da der Luchs in der Regel mehrfach zu seiner Beute zurückkehrt, sind die Chancen gut, dass er dabei die Fotofalle auslöst. Wir installieren die Spezialkamera stets in Absprache mit dem Jagdausübungsberechtigten. Bei Nutztieren (Schafe, Ziegen, Gatterwild) wird natürlich der Besitzer hinzugezogen.

Rückblick: Die vergangenen Monate

Jäger filmt Luchs im Knüll

In diesen Tagen erreichte uns das Videomaterial eines holländischen Jägers, das einen Luchs im nördlichen Knüll dokumentiert. Ende November 2017 war das Tier bei einer Bewegungsjagd nahe Niederbeisheim (Schwalm-Eder-Kreis) an zwei Standschützen vorbei gelaufen.


 

Die Aufnahme mit einem Mobiltelefon gelang aus etwa 60 m Entfernung. Der erste Beleg im südlichen Landkreis seit langer Zeit. In den letzten Jahren konnten nur im Untersuchungsgebiet des Kamera-Monitorings im Nordosten des Kreises Luchse nachgewiesen werden.

Totfund bei Bad Hersfeld

Mitte November 2017 bemerkte der Fahrer eines Holztransporters an der A4 bei Bad Hersfeld einen toten Luchs und informierte das dortige Forstamt. Die Naturschutzabteilung des RP Kassel untersuchte daraufhin den Fundort und barg das Tier, das mutmaßlich überfahren worden war.

Fellmustervergleiche mit Fotos aus dem Kamera-Monitoring ergaben bald, dass der Kuder noch nie in Hessen dokumentiert wurde. Schließlich identifizierten die Wildtiergenetiker des Forschungsinstituts Senckenberg anhand von Genproben den Luchs „LL131m“, der bereits Ende Januar 2017 in Niedersachsen nachgewiesen worden war. Man fand damals sein Genprofil an sieben toten Kamerunschafen, die er bei Bevern-Lobach gerissen hatte. Von dort bis Bad Hersfeld sind es etwa 110 km Luftlinie.

Der Unfalltod von „LL131m“ an der A4 ist wahrscheinlich, aber noch nicht bewiesen, da die Obduktion des Tieres noch aussteht. Erst dann können Schussverletzungen oder Krankheiten als Todesursache ausgeschlossen werden.

Nutztiere im Odenwald von Wolf gerissen

Im November 2017 wurden auf einer Weide bei Hesseneck-Kailbach (Odenwaldkreis) sieben gerissene Schafe gefunden. Fünf weitere Tiere waren verletzt. Pfotenabdrücke und Bissspuren belegten einen großen Caniden, der die Herde mit 230 Schafen attackiert hatte. Die Spurenlage ließ offen, ob ein Wolf oder ein streunender Hund als „Täter“ in Frage kam. Nach Auswertung der Genproben hat das Forschungsinstitut Senckenberg mittlerweile einen Wolf bestätigt, der aus der zentraleuropäischen Tieflandpopulation stammt. Das Tier ist also aus den deutschen Wolfsgebieten oder aus Westpolen zugewandert.

Wenige Tage zuvor waren bereits im 15 km entfernten Mossautal-Hüttenthal eine Ziege und ein Schaf gerissen worden. Ihr Halter gab an, auf der Weide ein „wolfsähnliches Tier“ gesehen zu haben. Auch hier wurden Genuntersuchungen veranlasst, die den Wolfsverdacht inzwischen bestätigt haben.
Am 20. November wurden dann auf einer Weide bei Erbach-Lauerbach vier weitere Schafe entdeckt, die durch einen Kehlbiss verendet waren. Dort wurde ebenfalls ein Wolf genetisch nachgewiesen. Von Hüttenthal nach Lauerbach sind es nur 5 km Luftlinie. Es liegt nahe, dass es sich an allen drei Orten um dasselbe Tier gehandelt hat. Dass dieser Wolf jenes Tier ist, das Anfang September bei Wald-Michelbach fotografiert wurde, scheint plausibel. Doch Beweise gibt es dafür nicht.

In Kailbach wie in Hüttenthal hatte man die Weiden nur an drei Seiten mit Elektrozäunen gesichert. Die jeweils angrenzenden Bäche waren ohne Zaun. Eine Einladung an alle Fressfeinde und an Hunde, die ihren Jagdtrieb ausleben wollen. Auch die kleine Herde bei Lauerbach war nicht wirksam geschützt. Aktuelle Vorfälle in der Lausitz und in Niedersachsen belegen, dass Wölfe erst durch unzureichende Zäune lernen, dass Weidetiere leichte Beute sind. So konditionieren verantwortungslose Tierhalter die großen Beutegreifer auf Schafe, Ziegen und neuerdings auch auf Rinder.

Dieser nachlässige Herdenschutz verstößt zudem gegen §3 der „Verordnung zum Schutz landwirtschaftlicher Nutztiere“, der den Halter verpflichtet, seine Tiere vor Beutegreifern zu sichern. Zumal bereits seit September bekannt ist, dass im Odenwald ein Wolf nachgewiesen wurde.

Die Pressemitteilung des Umweltministeriums finden Sie hier.

Luchsnachweis im bayerischen Spessart

Im angrenzenden Unterfranken ist erstmals seit zwei Jahren wieder ein Luchs bestätigt worden. Das Tier wurde Anfang Oktober 2017 von einer Fotofalle im bayerischen Teil des Spessarts dokumentiert. Der Aufnahmeort liegt nur 15 km von der hessischen Grenze entfernt.

Das Foto vom 9. Oktober wurde bei der Auswertung einer Wildkamera entdeckt, die ein Jäger an einer Lockfütterung für Wildschweine installiert hat. Das bayerische Landesamt für Umwelt geht davon aus, dass der im Main-Spessart-Kreis aufgenommene Luchs nicht mit den Tieren der ostbayerischen Population verwandt ist. Darauf deute das längere Fell mit dem wenig ausgeprägten Fleckenmuster hin.

In Unterfranken gab es bereits im Oktober 2015 den ersten Fotonachweis eines Luchses – damals in der Schwarzen Rhön. Im Landkreis Bad Kissingen wurde zudem zwischen November 2015 und April 2016 nach Rissen in Damwild-Gehegen mehrfach ein Luchs durch genetische Proben nachgewiesen, der der Harz-Population zugeordnet werden konnte. Ob es sich bei dem aktuell im Spessart fotografierten Tier um denselben Luchs handelt, ist nicht zu klären, da von diesem Tier bislang kein Gen-Profil vorliegt.


 

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