Hier erfahren Sie mehr über den Luchs in Hessen
Aktuell
Februar 2010
Bei Dautphetal (Landkreis Marburg-Biedenkopf) wurden Ende Dezember zwei rufende Luchse gehört. Sie „unterhielten“ sich etwa 20 Minuten lang und waren dabei recht laut. Die beiden Ohrenzeugen sind sich sicher. Sie verglichen die nächtlichen Laute mit dem Luchsruf auf unserer Internetseite. Das lautstarke Duo passt zu einer Sichtung bei Gladenbach im Sommer 2009. Zwischen dem Ort der Beobachtung und den rufenden Luchsen liegen nur wenige Kilometer.
Luchsrufe wurden auch im Wald bei Kelkheim (Main-Taunus-Kreis) gehört. Die Laute waren eindeutig, denn der Ohrenzeuge arbeitet in einem Zoo und kennt daher die Rufe der dortigen Gehege-Luchse. Nicht weit von Kelkheim-Fischbach gab es auch eine Sichtung. Ob es sich um das selbe Tier gehandelt hat, muss offen bleiben.
Östlich von Großalmerode (Werra-Meißner-Kreis) konnte ein Luchs abseits einer Landstraße beobachtet werden. Das Tier war am späten Nachmittag unterwegs und stand auf einem Waldweg. Das Fahrzeug der beiden Beobachter fuhr in nur 5 m Entfernung an dem Luchs vorbei.
Auf einer Viehweide am Waldrand bei Solms (Lahn-Dill-Kreis) konnte morgens um 8.00 Uhr ein Luchs beim Mäusefang beobachtet werden. Stummelschwanz und Pinselohren wurden eindeutig erkannt. Ein aktueller Hinweis auf das Vorkommen des Luchses im Lahn-Dill-Kreis, nachdem von dort seit 2008 keine Meldungen mehr kamen.
Der Harzluchs M2 unterwegs in Hessen
Ende November ist der im Nationalpark Harz besenderte Luchs M2 aus Niedersachsen nach Hessen eingewandert. Seither durchstreift er den nördlichen Werra-Meißner-Kreis, den südlichen Landkreis Kassel und den angrenzenden Schwalm-Eder-Kreis. Der männliche Luchs sendet täglich mehrere GPS-Signale, so dass er regelmäßig geortet werden kann. Der Nationalpark Harz informiert den Arbeitskreis kontinuierlich über die Wanderbewegungen von M2. Auch die zuständigen Luchsbeauftragten und die Naturschutzbehörden sind auf dem Laufenden.
Dass Luchse auf Reviersuche lange Strecken wandern, wird ja in der Fachdiskussion von einigen Biologen in Frage gestellt. M2 gibt da eine klare Antwort – sie tun es.
Die Vorgeschichte
Im November 2008 wurde auf einer Bundesstraße bei Seesen/Harz eine führende Luchsin von einem Fahrzeug erfasst und getötet. Drei der insgesamt vier Jungtiere überlebten den Unfall. Sie hielten sich einige Wochen in der Nähe des Unfallortes auf. Zwei Jungtiere konnten schließlich von Mitarbeitern des Luchsprojektes Nationalpark Harz eingefangen werden. Sie wurden in einem abgeschirmten Gatter im Nationalpark untergebracht und dort auf ihre Auswilderung vorbereitet. Das männliche Tier erhielt den Namen M2, das Weibchen wurde F1 genannt. Vor ihrer Freilassung im April 2009 wurde M2 mit einem GPS-Halsband versehen, F1 erhielt ein herkömmliches VHF-Sendehalsband. Zurück in der freien Wildbahn gingen die beiden Luchse getrennte Wege. Während F1 den nördlichen Harz durchstreifte, verlies M2 das Mittelgebirge, durchquerte das nordwestliche Eichsfeld (Thüringen) und wanderte schließlich nach Hessen weiter. Zwischen dem Ausgangspunkt bei Bad Harzburg und seinem derzeitigen Streifgebiet südlich von Kassel liegen mehr als 100 km Luftlinie.
Weitere Informationen zu den Wanderbewegungen der Harzluchse finden sich auf der Website des Nationalparks.
Zwei Fotofallen sind einsatzbereit

Schnappschuss mit Selbstauslöser
Dieser Schnappschuss einer Wildkatze (Felis silvestris) gelang unserer Fotofalle im Frühjahr 2007 auf einer Waldwiese im Rheingau-Taunus-Kreis. Etwas erstaunt blickt sie in den Lichtblitz, den sie durch Passieren der Infrarotschranke ausgelöst hatte. Ein eindrucksvoller Beleg für den praktischen Nutzen der Spezialkamera. Sie war allerdings nicht an einem Luchsriss installiert, sondern an einem "Lockstock", der mit Duftstoffen präpariert war, die Wildkatzen anlocken. Damals setzte das Forschungsinstitut Senckenberg unsere Fotofalle einige Zeit in der Wildkatzen-Forschung ein.
Mittlerweile verfügt der Arbeitskreis über zwei Fotofallen, die im Werra-Meißner-Kreis und im Rhein-Main-Gebiet „stationiert“ sind. Sie sind jederzeit einsatzbereit, wenn aus irgend einem Teil Hessens ein gerissenes Wild- oder Nutztier gemeldet wird, das von einem Luchs erbeutet wurde. Wichtig ist, dass das gerissene Tier dann unberührt am Fundort verbleibt und der für den Landkreis zuständige Luchsbeauftragte möglichst rasch informiert wird. Da der Luchs in der Regel mehrfach zu seiner Beute zurückkehrt, sind die Chancen gut, auch von ihm so ein eindrucksvolles Foto zu schießen. Wir installieren die Spezialkamera stets in Absprache mit dem Jagdausübungsberechtigten. Bei Nutztieren (Schafe, Ziegen, Gatterwild) wird natürlich der Besitzer hinzugezogen.
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