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Informationen zu Luchs und Wolf in Hessen

Aktuell – neue Meldungen über Luchs und Wolf in Hessen

Oktober 2020

Der Luchs, der seit Wochen im östlichen Taunus für Aufsehen sorgt, ist dort weiterhin unterwegs. Er zeigte sich öfter ohne große Scheu im Siedlungsraum. Mittlerweile konnte er durch das Luchsprojekt Harz anhand von Vergleichsfotos identifiziert werden. Es handelt sich mit großer Sicherheit um den männlichen Luchs M12, der aus der Harzpopulation stammt. Anfang September wurde er am Ortsrand von Oberursel (Hochtaunuskreis) auf dem Sportplatz der Frankfurt International School angetroffen, wo er sehr entspannt in der Sonne lag und trotz vieler Schaulustiger zunächst wenig Anstalten machte, den Rasen wieder zu verlassen. Erst eine behutsame „Scheuchaktion“ von Polizisten konnte ihn in Bewegung setzen. Schließlich verschwand er im nahen Wald. Bei der Begegnung gelangen zahlreiche Aufnahmen.


 

In den Wochen danach wurde der Luchs mehrfach zwischen Oberursel und Königstein auf Waldwegen und in Gärten beobachtet.

M12 ist nicht zum ersten Mal in Hessen. Im April 2018 war er bei Bad Pyrmont (Niedersachsen) vom Luchsprojekt Harz mit einem GPS-Sender versehen worden. Nach einem Abstecher nach Nordrhein-Westfalen überquerte er Mitte August 2018 bei Diemelstadt die hessische Landesgrenze. Er bewegte sich konsequent nach Süden bis nach Mittelhessen. Zuletzt konnte er im November 2018 im Vogelsberg geortet werden. Danach verlor sich seine Spur, da der Halsbandsender ausfiel. Später konnte er im nördlichen Baden-Württemberg durch Fotos nachgewiesen werden. Auch sein abgestreiftes Senderhalsband wurde dort gefunden. Er war demnach über 200 km (Luftlinie) gewandert.

Ab Januar 2020 war M12 dann wieder in Hessen unterwegs. Das belegten Genspuren an Rissen im Wildpark „Alte Fasanerie“ bei Hanau. Offenbar war das Tier in der Paarungszeit von den Gehege-Luchsen im Wildpark angelockt worden. M12 fiel auch dort durch seine geringe Distanz zu Menschen auf. Der Luchs wurde bis Juni 2020 immer wieder im Wildpark und seinem Umfeld gesehen. Im Juli wurde dann eine Luchs-Sichtung am Taunusrand bei Butzbach (Wetteraukreis) gemeldet.
Die Vermutung liegt nahe, dass dieses Tier damals M12 war, der zum ersten Mal in der Region beobachtet wurde. Der Luchs hatte offenbar das dicht besiedelte Rhein-Main-Gebiet durchquert. Auch jenes Tier, das dann im August in einem Steinbruch bei Friedrichsdorf und im Stadtwald von Rosbach dokumentiert wurde, dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit M12 gewesen sein.

Luchs im Taunus unterwegs

Mitte August wurde am frühen Morgen ein Luchs in einem aktiven Steinbruch bei Friedrichsdorf (Hochtaunuskreis) entdeckt, der sich ausgerechnet die Vorbrechanlage als Tagesversteck ausgesucht hatte. Kurz nach Betriebsbeginn wurde die Anlage deshalb wieder ausgeschaltet. Erst nach einer knappen Stunde konnte das Tier dazu bewegt werden, das offene Bauwerk wieder zu verlassen. Der Luchs verschwand schließlich im nahen Wald.


 

Wenige Tage zuvor gelang im benachbarten Stadtwald von Rosbach (Wetteraukreis) eine Videoaufnahme. Gegen 8.30 Uhr hatte ein Jäger beim Morgenansitz auf einer Waldwiese einen Luchs entdeckt und mit seinem Mobiltelefon dokumentiert.


 

Da der Aufnahmeort nur etwa 2 km vom Steinbruch Friedrichsdorf entfernt ist, liegt die Vermutung nahe, dass es sich um dasselbe Tier gehandelt hat. Dies gilt auch für vier weitere Sichtungen, die Ende August aus der Region gemeldet wurden.

Luchs im Reinhardswald bestätigt

Der vorjährige Jungluchs, der seit April im Reinhardswald (Landkreis Kassel) unterwegs ist, konnte auch im Juni und Juli nachgewiesen werden. Er ging erneut an mehreren Standorten in die Fotofallen, die das Luchsprojekt der Uni Göttingen dort im Auftrag des Landesamts für Naturschutz (HLNUG) installiert hat.

Auch wenn nicht alle Aufnahmen durch Fellmustervergleich individualisierbar sind, gehen die Experten davon aus, dass jeweils dasselbe Tier fotografiert wurde. Auffällig ist ein weißer Fleck am linken Ohr, der allerdings nicht auf allen Fotos zu erkennen ist. Sehr wahrscheinlich handelt es sich um ein Jungtier der „Weser-Luchsin“ B1072w, die sich im Winter 2019/20 mit ihren Jungen im Reinhardswald aufhielt und später nach Niedersachsen abgewandert ist.

Wölfin tötet Kälber in Nordhessen

Die „Stölzinger Wölfin“ hat Anfang Mai bei Sontra-Hübenthal (Werra-Meißner-Kreis) zwei Kälber gerissen. Dies ergab die Auswertung von Genproben durch das Senckenberg-Institut. Laut Landesamt für Naturschutz (HLNUG) war sie damit in diesem Jahr bislang für vier Übergriffe auf Nutztiere verantwortlich. Dreimal waren Schafe und Ziegen betroffen. Bereits im Oktober 2019 konnte sie auf vier Weiden an gerissenen Schafen genetisch nachgewiesen werden. Die Wölfin mit der Laborkennung GW1409f gilt seit April dieses Jahres in Nordhessen als sesshaft. Da ihr Territorium im Umkreis des Stölzinger Gebirges liegt, wird sie auch „Stölzinger Wölfin“ genannt.

Vorjähriger Jungluchs im Reinhardswald

Mitte April dokumentierte eine Fotofalle im südlichen Reinhardswald (Kreis Kassel) einen bislang unbekannten Luchs. Es handelt sich um ein vorjähriges Jungtier, das vermutlich zu jener Luchsfamilie gehört, die im Winter 2019/20 im Reinhardswald nachgewiesen wurde. Im Januar 2020 war die Luchsin mit ihren Jungen in den niedersächsischen Solling abgewandert. Nun könnte einer der Jungluchse nach Hessen zurückgekehrt sein.

Der Abgleich der Fellmuster ist allerdings schwierig, da nur wenige Fotos zur Verfügung stehen. Laut Aussage von Experten der Universität Göttingen und des Luchsprojektes Harz spricht aber vieles dafür, dass es sich bei dem fotografierten Luchs um ein Jungtier aus jener Luchsfamilie handelt. Ob sich das Tier dauerhaft im Reinhardswald niederlässt und sich womöglich auch seine Mutter und seine Geschwister erneut dort aufhalten, werden die nächsten Monate zeigen. Derzeit hat das Luchsprojekt Uni Göttingen im Auftrag des Landesamts für Naturschutz (HLNUG) an 16 Standorten im Reinhardswald Fotofallen installiert.

Tote Wölfin identifiziert

Die Anfang Juni auf der Kreisstraße 7 zwischen Kaufungen und Helsa (Kreis Kassel) überfahrene Wölfin war bislang in Hessen nicht bekannt. Das vorjährige Jungtier erhielt die Laborkennung GW1644f. Es stammte aus der mitteleuropäischen Flachlandpopulation. Die Vermutung, dass es sich um die in Nordhessen sesshafte Wölfin GW1409f handeln könnte, hat sich damit nicht bestätigt.

Wolf aus Alpenpopulation in Südhessen

Die Mitte Mai bei Lautertal (Kreis Bergstraße) tot aufgefundenen Schafe wurden von einem Wolf aus der Alpenpopulation gerissen. Laut Landesamt für Naturschutz (HLNUG) belegten Genproben die alpine Gengruppe (Haplotyp HW22). Es ist nicht auszuschließen, dass es sich um jenes Tier handelt, das bereits Ende April bei Reichelsheim (Odenwaldkreis) fotografiert wurde.

Die Herkunft aus den Alpen ist bemerkenswert, da das Tier erst der zweite Wolf aus dieser Population ist, der in Hessen nachgewiesen wurde. Bis auf einen 2011 im Raum Gießen belegten Rüden kamen alle bisher in Hessen nachgewiesenen Wölfe aus den nördlichen und östlichen Bundesländern, gehörten also zur mitteleuropäischen Flachlandpopulation (Haplotyp HW01 und HW02).

Weitere Hinweise auf Luchs bei Hanau

Am 8. Mai wurde im Wildpark Hanau außerhalb der Gehege ein toter Rehbock gefunden, den ein großer Beutegreifer gerissen hatte. Der Wildkörper wies einen Kehlbiss auf und war lediglich an den Keulen angeschnitten. Diese Merkmale legen einen Luchs als „Täter“ nahe.

Genspuren am Riss bestätigten den Verdacht, dass sich der Luchs M12 noch immer im Wildpark und seinem Umfeld aufhält. Das aus der Harz-Population stammende Tier wurde seit Januar öfter im Parkgelände und im umliegenden Waldgebiet gesichtet und auch durch Fotofallen belegt. Ende Februar war M12 dann in eine Lebendfalle gegangen. Das Fanggerät hatte die Parkverwaltung im Mufflon-Gatter installiert, nachdem dort ein gerissenes Wildschaf entdeckt worden war. Kurz danach konnte der Luchs entkommen. Im März und April wurde er noch mehrmals im Wildpark gesehen und auch fotografiert. In diesem Zeitraum gab es allerdings keine weiteren Risse.

Wolf im Odenwald bestätigt

Am 25. April traf ein Naturfotograph bei Reichelsheim (Odenwaldkreis) am frühen Morgen auf einen Wolf. Es gelangen etliche Aufnahmen. Bereits in der Nacht zum 22. April war ebenfalls bei Reichelsheim ein Wolf in eine Fotofalle geraten, die dort im Rahmen des Schwarzstorch-Monitorings installiert war. Beide Aufnahmeorte wurden bereits überprüft.

Es liegt nahe, dass es sich in beiden Fällen um dasselbe Tier gehandelt hat. Die Fotos zeigen allerdings keine individuellen Merkmale. Daher kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass mehrere Wölfe in der Region unterwegs sind. Genetische Nachweise durch Kot oder Haare gibt es bislang nicht.

Reinhardswald-Luchse im Solling unterwegs

Die im Dezember 2019 und Anfang Januar 2020 im Reinhardswald nachgewiesene Luchsin mit ihren Jungtieren wurde Ende Januar im niedersächsischen Solling von einer Fotofalle des Luchsprojekts Harz erfasst. Dieses Waldgebiet liegt etwa 30 km vom Reinhardswald entfernt und jenseits der Weser. Die Luchsfamilie muss also im Januar den Fluss überquert und Hessen verlassen haben.

Weitere Fotofallenbilder, die bereits im Mai 2019 im Solling entstanden, zeigen zudem dieselbe Luchsin, die damals unübersehbar trächtig war. Es ist daher naheliegend zu vermuten, dass das Tier auch dort seine Jungen zur Welt brachte und die Familie womöglich erst im Herbst in den Reinhardswald kam. Allerdings gibt es keine Aufnahmen, die belegen, dass Luchsin und Jungtiere im Sommer 2019 tatsächlich im Solling waren.

Diese Luchsin war im Reinhardswald bereits im Frühjahr 2019 erstmals nachgewiesen worden. Sie wurde als „Rein_L“ in unserem „Luchsbericht 2019“ erwähnt. Das Tier zeigt offenkundig ein ausgeprägtes Wanderverhalten und hat dabei den Grenzfluss zwischen Hessen und Niedersachsen mehrfach überquert. Da es dort außerhalb von Siedlungen keine Brücken gibt, muss die Luchsin durch die Weser geschwommen oder zumindest gewatet sein – und das auch mit Jungtieren im Schlepptau.

Zwei standorttreue Wölfe

Nach der Wölfin bei Ulrichstein (Vogelsbergkreis) gilt nun ein weiteres Tier in Hessen als sesshaft. Laut Landesamt für Naturschutz (HLNUG) handelt es sich um eine Wölfin, die sich seit mehr als einem halben Jahr im Umkreis des „Stölzinger Gebirges“ aufhält, wo die Landkreise Schwalm-Eder, Hersfeld-Rotenburg und Werra-Meißner aneinandergrenzen. Dieses Tier wurde erstmals im August 2019 an einem gerissenen Stück Rotwild nahe Herlefeld (Schwalm-Eder-Kreis) genetisch nachgewiesen. Es erhielt die Laborkennung GW1409f. Zwischen Oktober und November 2019 gelangen weitere Nachweise in der Region. Eine Genprobe, die Anfang März 2020 von einem Rissgutachter des HLNUG an einem Stück Rotwild bei Waldkappel-Schemmern (Werra-Meißner-Kreis) genommen wurde, ergab einen erneuten Nachweis dieser Wölfin. Ihr Areal gilt damit als weiteres Wolfsterritorium in Hessen.

Nach den bundesweiten Monitoring-Richtlinien werden Wölfe als sesshaft betrachtet, wenn sie über 6 Monate hinweg in einer Region nachgewiesen wurden. Anders als in anderen Bundesländern führt ein standorttreuer Wolf in Hessen zu keiner verstärkten Herdenschutz-Förderung in seinem Streifgebiet.

Wolf bei Ulrichstein (Foto: HLNUG)

Das erste Wolfsterritorium in unserem Bundesland seit 2011 war bereits Anfang März 2020 im Vogelsberg bestätigt worden. Damals wurde die seit Sommer 2019 bei Ulrichstein präsente Wölfin GW1166f vom Landesamt für Naturschutz (HLNUG) als sesshaft eingestuft.

Zwischen September und November 2019 wurde diese „Ulrichsteiner Wölfin“ an mehreren Wildtier-Rissen genetisch erfasst, auch an zwei toten Kälbern hinterließ sie Speichelspuren. Im Februar 2020 konnte das Tier erneut anhand einer Genprobe bestätigt werden.

2008 war erstmals seit der Ausrottung im neun­zehnten Jahrhundert wieder ein Wolf in Hessen nachgewiesen und im Reinhardswald sesshaft geworden. Der Rüde wurde allerdings 2011 tot aufgefunden, ohne dass ein weibliches Tier zugewandert war. Ein Rudel konnte sich deshalb nicht bilden. Sollten die derzeit standorttreuen Wölfinnen in ihren Territorien bleiben und männliche Tiere zuwandern, könnten in Hessen erstmals Rudel entstehen.

Luchs bei Hanau identifiziert

Der Luchs, der seit Januar öfter am Wildpark „Alte Fasanerie“ bei Hanau gesehen wurde, konnte durch eine Genprobe identifiziert werden. Laut Forschungsinstitut Senckenberg handelt es sich um ein männliches Tier, das der Harz-Population entstammt. Der wildlebende Kuder erhielt zunächst die Laborkennung LL214m. Ein erneuter Datenabgleich ergab mittlerweile, dass es sich um den Harzluchs M12 handelt, der bereits 2018 in Hessen unterwegs und weiter nach Baden-Württemberg gewandert war. Offenbar ist er wieder zurück. Ende Februar war das Tier im Wildpark in eine Lebendfalle gegangen. Das Fanggerät hatte die Parkverwaltung im Mufflon-Gatter installiert, nachdem dort ein gerissenes Wildschaf entdeckt worden war.

So sollte geklärt werden, ob es sich bei dem umherstreifenden Tier womöglich um jenen Gehege-Luchs handelt, der vor Jahren nach einem Sturmschaden entlaufen und nie wieder aufgetaucht war.

Das Tier in der Falle hatte allerdings keine Ähnlichkeit mit dem einstigen Fasanerie-Bewohner. Der offenkundig fremde Luchs ist inzwischen wieder auf freiem Fuß. Für die Rehe und Mufflons in den Gattern des Wildparks ist das keine gute Nachricht.

Vermutlich dasselbe Tier wurde bereits im Januar im Umfeld der „Alten Fasanerie“ von zwei Fotofallen erfasst. Da deren Standort vom zuständigen Luchsbeauftragten bestätigt wurde, gelten die Fotos als C1-Nachweis.

Der Totfund eines Schafes Ende Januar in einem nahen Gartenareal konnte allerdings keinem eindeutigen Fressfeind zugeordnet werden, da der Vorfall erst bekannt wurde, als der Kadaver längst entsorgt war. Daher ist ein Luchs nicht auszuschließen, aber auch nicht zu belegen.

Im Februar wurde der Luchs dann auf kurze Distanz in Schrebergärten und in einer nahegelegenen Siedlung beobachtet, wo er in der Morgendämmerung auf einer Gartenbank saß. Wegen seines gelassenen Umgangs mit Menschen kam bald der Verdacht auf, das Tier sei aus dem benachbarten Wildpark entkommen. Die Parkleitung versicherte aber glaubhaft, dass ihre sieben Gehege-Luchse weiterhin vollzählig zur Fütterung erscheinen.

Es ist naheliegend, dass die Luchse im Wildpark in der Paarungszeit für ein durchziehendes Tier attraktiv sind und es womöglich auch schon zu amourösen Kontakten kam. Das Parkpersonal bemerkte jedenfalls eine gewisse Unruhe in und um das Luchsgehege.

Die geringe Distanz des „Hanauer Luchses“ zu Anwohnern ist kein zwingender Beweis für ein Vorleben in Gefangenschaft. Die in Freiheit aufgewachsenen Harzluchse „M2“ und „M9“, die auch in Hessen längere Zeit unterwegs waren, zeigten sich bei Nahkontakten mit Spaziergängern ähnlich entspannt. So bewachte „M9“ Ende 2018 seelenruhig seinen Riss im Stadtwald von Hann. Münden, während zahlreiche Neugierige an ihm vorbei defilierten. Das Verhalten gegenüber Menschen ist von Tier zu Tier unterschiedlich. Andere Luchse gehen Zweibeinern lieber aus dem Weg.

Drei tote Wölfe im Rhein-Main-Gebiet

toter Wolf in Wiesbaden (Foto: Jürgen Bauer)

Das Anfang Februar am Stadtrand von Wiesbaden entdeckte tote Tier war eine zierliche Wölfin. Sie wurde nahe der abgelegenen Bahnstation „Wiesbaden-Ost“ zwischen den Gleisen gefunden. Wie das Landesamt für Naturschutz (HLNUG) mitteilte, sei das Tier offenbar mit einem Zug kollidiert, habe aber äußerlich keine sichtbaren Verletzungen aufgewiesen.

Laut Gen-Analyse des Senckenberg-Instituts kam das Tier aus Sachsen-Anhalt. Die Wölfin stammte aus dem Rudel „Hoher Fläming“ an der Grenze zu Brandenburg. Sie war in ihrem Ursprungsgebiet bereits im Dezember 2019 genetisch erfasst worden und erhielt damals die Laborkennung GW1487f. Um die Todesursache zweifelsfrei zu ermitteln, wurde der Kadaver zum Leibnitz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung nach Berlin geschickt. 

Bei dem Ende Januar bei Frankfurt überfahrenen Tier handelte es sich einen Wolfsrüden aus der mitteleuropäischen Population.

Die genetische Untersuchung ergab, dass das Tier den seltenen Haplotyp HW02 aufweist. Dieser Gentypus wurde nur bei einigen Wölfen in Norddeutschland festgestellt. Der Rüde stammte denn auch aus dem „Schneverdinger Rudel“ in der Lüneburger Heide und wurde als „GW1484m“ in die Gen-Datenbank des Senckenberg-Instituts aufgenommen.

Auch das Mitte Januar auf der A60 bei Mainz getötete Tier wurde inzwischen als Wolf bestätigt. Die Unfallstelle lag nahe der Grenze zu Hessen. Laut Genprofil gehörte der Rüde zur alpinen Population. Dies ist bemerkenswert, da alle Wölfe, die in den letzten Jahren in Rheinland-Pfalz und Hessen nachgewiesen wurden, zur mitteleuropäischen Flachlandpopulation gehörten – also aus Nord- und Ostdeutschland oder aus Westpolen stammten. Alpine Wölfe wurden allerdings bereits im Elsaß und in Lothringen identifiziert. Von dort könnte das Tier zugewandert sein.

Wolfsverdacht bei Trebur

Ende Januar begegnete ein Landwirt westlich von Trebur-Astheim (Kreis Groß-Gerau) einem mutmaßlichen Wolf, der in etwa 10 m Entfernung aus einem Heckenzug auftauchte und sich dann ohne große Eile entfernte. Der Bauer folgte dem Tier in gehörigem Abstand mit dem Traktor und machte einige Aufnahmen mit seinem Mobiltelefon.

Die Auswertung der Fotos durch das Landesamt für Naturschutz (HLNUG) und die Experten der DBBW ergab, dass die typischen Merkmale eines Wolfes nicht zu erkennen sind. Das Tier wirkt einfarbig braun und zeigt keine Weißzeichnung an Kopf und Brust. Das könnte natürlich auch daran liegen, dass die Kamera an einem trüben Wintertag mit wenig Licht auskommen musste.

Die Fotos aus Astheim konnten daher nur als C3-Hinweis gewertet werden. Seither gab es keine weiteren Sichtungen oder andere Hinweise auf einen Wolf im Landkreis.

Fotofallen bestätigen Jungluchse

Die Luchsfamilie in Nordhessen konnte Ende Dezember und Anfang Januar erneut nachgewiesen werden. Jeweils zwei der vier Jungtiere und die Luchsin wurden von den Fotofallen erfasst, die nach den Zufallsaufnahmen von Mitte Dezember im Reinhardswald ausgebracht wurden. In Kooperation mit dem Landesamt für Naturschutz (HLNUG) hat das Luchsprojekt Uni Göttingen dort mittlerweile an 15 Standorten Kameras installiert.

Durch Vergleich der Fellmuster konnte nun auch geklärt werden, dass die Luchsin bereits im Frühjahr 2019 im Reinhardswald unterwegs war. Sie wurde im Februar und März von Fotofallen dokumentiert, die allerdings wegen Holzeinschlags wieder abgebaut werden mussten. Im „Luchsbericht 2019“ ist sie bereits als „Rein_L“ erwähnt, damals noch mit unbekanntem Geschlecht.

Luchsfamilie im Reinhardswald fotografiert

Mitte Dezember traf ein Revierleiter von HessenForst im nördlichen Reinhardswald auf eine Luchsin mit vier Jungtieren, die er mit seinem Mobiltelefon dokumentieren konnte. Damit wurden die Sichtungen der letzten Monate erstmals durch Fotos bestätigt.

Dieser C1-Nachweis bringt nun endlich die Gewissheit, dass es in Nordhessen wieder Luchsnachwuchs gibt. Seit dem Räude-Einbruch 2015 konnte ja keine Reproduktion mehr nachgewiesen werden, da damals vor allem weibliche Luchse an der Krankheit verendet waren.

Da sich die Luchsgruppe im unübersichtlichen Unterholz verteilt hatte, sind jeweils nur zwei oder drei Jungtiere auf einem Foto zu sehen. Das Jungluchs-Quartett steht allerdings außer Frage, da die vier Jungen bereits mehrfach in diesem Waldgebiet beobachtet wurden.

So hatte ein Forstarbeiter Anfang Oktober von vier gleichgroßen Luchsen berichtet, die er auf einem Holzlagerplatz beobachten konnte, als sie dort in der Morgendämmerung auf den Baumstämmen spielten. Es ist naheliegend, dass dort die vier Jungtiere zu sehen waren. Die Luchsin wurde offenbar nicht bemerkt. Die zuständige Luchsbeauftragte suchte wenig später die Holzstapel nach weiteren Hinweisen ab und konnte dort etliche Haare bergen, die mittlerweile als Luchshaare verifiziert wurden. Zudem fotografierte sie frische Kratzspuren am Holz.

In der zweiten Dezemberwoche wurde dann eine weitere Sichtung in diesem Waldareal gemeldet. Eine Forst-Praktikantin hatte eine führende Luchsin mit vier Jungtieren beobachtet. Dort konnten zudem im Neuschnee etliche Pfotenabdrücke der Tiere dokumentiert werden.
Mittlerweile wurden im nördlichen Reinhardswald Fotofallen ausgebracht, die weitere handfeste Nachweise liefern sollen.

Goldschakal im Vogelsberg unterwegs

Gut vier Jahre nach dem ersten Nachweis konnte in Hessen erneut ein Goldschakal dokumentiert werden. Am 6. November war der seltene Zuwanderer bei Romrod (Vogelsbergkreis) in den Sensorbereich einer Fotofalle geraten, die an einem gerissenen Mufflon installiert war. Die Kamera sollte im Rahmen des Monitorings des Landesamts für Naturschutz klären, welcher Beutegreifer das Wildschaf getötet hatte. Vermutet wurde ein Wolf.

In den nächsten Tagen zeigte sich dann auch ein Wolf am Riss, der vermutlich auf sein Konto ging. Der Schakal war wohl nur ein „Nachnutzer“, ebenso wie Fuchs und Waschbär, die dort abgelichtet wurden.
Eine eindeutige Identifizierung des „Täters“ durch DNA-Spuren am tödlichen Kehlbiss war nicht mehr möglich, da die Nutzung des Kadavers weit fortgeschritten war. Der Kehlbereich war nicht mehr vorhanden. Die Größe des Beutetieres legt allerdings nahe, dass es von einem Wolf gerissen wurde und nicht von einem Goldschakal, der kleinere Tiere bevorzugt.

Der erste hessische Nachweis eines Goldschakals gelang im August 2015 bei Schlitz im Vogelsberg. Das wolfsähnliche Tier wurde von einem Jäger fotografiert. Das Umweltministerium vermutete damals eine Zuwanderung aus Süddeutschland. Das könnte auch für das bei Romrod aufgetauchte Tier gelten. Zumindest gab es in diesem Sommer einen Fotonachweis im Landkreis Reutlingen (Baden-Württemberg).

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet von Canis aureus liegt in den Balkanländern. Von dort wandern Einzeltiere seit Ende der achtziger Jahre immer wieder Richtung Norden und Westen. In Österreich konnte ein Goldschakal erstmals 1987 nachgewiesen werden. 1996 streifte das erste Tier durch Brandenburg und 2012 geriet ein Goldschakal in eine Fotofalle im Bayerischen Wald. In Italien, Tschechien, Ungarn und Kroatien wurden in den letzten Jahren stabile Bestände belegt. Wandernde Einzeltiere haben mittlerweile die Niederlande, Dänemark und das Baltikum erreicht. Der bislang nördlichste Nachweis gelang im Juli 2019 in Finnland.

Luchs im bayerischen Grenzraum fotografiert

Mitte November kam ein Luchs bei Obersinn (Landkreis Main-Spessart) am frühen Morgen an einem Bauwagen von Forstarbeitern vorbei. Dabei gelangen mehrere Aufnahmen.

Die Begegnung im bayerischen Spessart fand nahe der hessischen Landesgrenze statt. In diesem Waldgebiet war bereits im Oktober ein Luchs beobachtet worden. Es ist naheliegend, dass dasselbe Tier auch im hessischen Spessart unterwegs ist. In den angrenzenden Wäldern bei Sinntal (Main-Kinzig-Kreis) lief im September ein Luchs in eine Fotofalle.

„Luchsbericht 2019“ veröffentlicht

Im Erfassungszeitraum Mai 2018 bis April 2019 konnten in Nordhessen vier Luchse sicher nachgewiesen werden. Dokumentiert wurden drei Männchen und ein viertes Tier, dessen Geschlecht nicht geklärt werden konnte. Dies geht aus dem „Luchsbericht 2019“ (pdf·6,5 M) hervor, der Anfang November veröffentlicht wurde.

Hessischer Luchsbericht 2019 erschienen

Ein weiterer Luchs wurde im November 2018 im Main-Kinzig-Kreis durch eine Fotofalle an einem Riss erfasst. Hier kann aber nicht ausgeschlossen werden, dass eines der später in Nordhessen belegten Tiere vorher dort unterwegs war.

Erneut wurden in Hessen weder Luchsweibchen noch Jungtiere nachgewiesen. Offenkundig hat sich der Bestand von den Verlusten durch die 2015 grassierende Räude noch immer nicht erholt.

Insgesamt konnten 151 Hinweise (Sichtungen, Fotos, Spuren) in den Bericht aufgenommen werden.

Schafe im Kreis Hersfeld-Rotenburg gerissen

Mitte Oktober wurden bei Seifertshausen (Kreis Hersfeld-Rotenburg) zwei Schafe hinter einem Elektrozaun gerissen. Die Genproben belegten einen Wolf, dessen genetische Individualisierung aber noch aussteht. Sollte die Zäunung ordnungsgemäß gewesen sein, wären dies die ersten Risse von geschützten Weidetieren in Hessen. Bislang hatten es schlampige Tierhalter den Wölfen immer sehr leicht gemacht.

Genetische Untersuchungen ergaben mittlerweile, dass die toten Schafe, die Anfang Oktober bei Nentershausen-Dens (Kreis Hersfeld-Rotenburg) auf einer ungeschützten Weide gefunden wurden, auf das Konto der Wölfin GW1409f gehen. Ihre Genspuren waren bereits im August bei Herlefeld (Schwalm-Eder-Kreis) an einer gerissenen Hirschkuh nachgewiesen worden.

Wolf bei Waldkappel gefilmt

In der ersten Oktoberwoche gelangen einem Landwirt bei Waldkappel-Schemmern (Werra-Meißner-Kreis) Videoaufnahmen eines Wolfes, der relativ gelassen durch das Scheinwerferlicht seines Traktors lief.


 

Da Wildtiere Ackerschlepper kennen und nicht mit Menschen in Verbindung bringen, gilt die geringe Distanz des Wolfes nicht als ungewöhnlich. Ähnliche Aufnahmen gelangen bereits im Juni bei Feldatal-Stumpertenrod und Dirlammen im Vogelsberg.

Toter Wolf am Straßenrand

Das überfahrene Tier wurde Ende September an der L 3199 zwischen Burgjoß und Bad Orb (Main-Kinzig-Kreis) gefunden. Eine andere Todesursache konnte ausgeschlossen werden. Die Auswertung von Genproben ergab, dass es sich um die Wölfin GW1227f gehandelt hat, die zuvor in der Rhön unterwegs war. Im April hatte sie bei Mittelkalbach (Landkreis Fulda) drei Schafe gerissen. Ihre Gengruppe (Haplotyp HW01) belegte, dass sie der mitteleuropäischen Flachlandpopulation zuzuordnen war.

Fotofalle bestätigt Luchs im Spessart

Mitte September geriet ein Luchs bei Sinntal (Main-Kinzig-Kreis) in den Sensorbereich einer Fotofalle, die an einem Riss installiert war. Der erste C1-Nachweis im hessischen Spessart in diesem Jahr.


 

Zuletzt gelang dort ein Foto-Nachweis im November 2018. Vermutungen, es könnte sich in beiden Fällen um dasselbe Tier gehandelt haben, lassen sich leider nicht erhärten, da die Qualität der Aufnahmen einen Fellmustervergleich nicht zulässt.

Kalb im Vogelsberg von Wolf gerissen

Anfang September wurde auf einer Weide bei Ulrichstein-Unter-Seibertenrod (Vogelsbergkreis) ein totes Kalb gefunden, das deutliche Fraßspuren an Rumpf und Hinterläufen aufwies. Das Ausmaß der Nutzung und ein Tötungsbiss im Kehlbereich legten einen großen Beutegreifer nahe. Die Obduktion im Landeslabor und die vom Forschungsinstitut Senckenberg untersuchten Genproben ergaben, dass das neugeborene Tier von einem Wolf gerissen wurde.

Es spricht vieles dafür, dass es sich dabei um jenen Wolf gehandelt hat, der seit Mai 2019 rund um Ulrichstein immer wieder gesehen und auch fotografiert wurde. Bereits Anfang Juli konnte er an einem toten Reh auch genetisch nachgewiesen werden. Später wurden seine Kothaufen gefunden und schließlich geriet er im August bei Helpershain in eine Fotofalle des Landesamts für Naturschutz (HLNUG), das acht Kameras im Raum Ulrichstein installiert hat.

Anfang Juli wurde bei Feldatal-Köddingen (Vogelsbergkreis) ein gerissenes Schmalreh gefunden, das einen markanten Kehlbiss aufwies, dessen Zahnabstand für einen Luchs zu groß war. Der zuständige Luchsbeauftragte installierte am Riss eine Fotofalle, die bereits in der folgenden Nacht einen Wolf nachwies. Das Beutetier war nahezu vollständig genutzt worden.

Ende Juni gelangen bei Ober-Seibertenrod (Vogelsbergkreis) Zufallsfotos eines Wolfes.

Bereits in der letzten Juniwoche war bei Feldatal-Stumpertenrod (Vogelsbergkreis) erneut ein Wolf aufgetaucht. Er lief beim Heumachen vor einem Traktor her und zeigte sich durch das Fahrzeug nicht sonderlich verängstigt. Dem Landwirt gelangen Videoaufnahmen mit seinem Mobiltelefon.


 

Es ist nicht auszuschließen, dass es sich bei dem vom Traktor aus gefilmten Tier um jenen Wolf handelt, der bereits Ende Mai in der Gemarkung Stumpertenrod dokumentiert werden konnte. Da aber in beiden Fällen keine Genspuren (Haare, Kot) gefunden wurden, kann darüber nur spekuliert werden. Nach den Monitoring-Standards des Bundesamts für Naturschutz gilt ein Wolf erst dann als „ortsfest“, wenn er in einem Gebiet mindestens sechs Monate nachgewiesen wurde.

Wolf riss ungeschützte Schafe in Waldhessen

Die DNA-Proben von den Mitte Juni bei Ronshausen (Kreis Hersfeld-Rotenburg) gerissenen Schafen haben mittlerweile einen Wolf bestätigt, dessen genaues Genprofil aber nicht ermittelt werden konnte. Man kennt lediglich die Gengruppe HW01, die in Mitteleuropa weit verbreitet ist.

Die Schafe waren unzureichend geschützt, da der Hobbyhalter laut Lokalausgabe der HNA ordnungsgemäße Zäune für wirkungslos hält und auch nicht vorhat, sie nun zu installieren.

In Ronshausen ist also der nächste Riss schon programmiert. Diese Ignoranz ist verantwortungslos, da so durchziehende Jungwölfe die Schafe als leichte Beute kennenlernen und später auch an gesicherten Weiden alles daransetzen werden, um sie zu erbeuten. Wenn aber Jungwölfe an Zäunen Stromschläge bekommen, werden sie künftig Weidetiere mit Schmerzen verbinden und sich auf Wildtiere beschränken.

Aktuelle Informationen zum Wolf in Hessen finden Sie auch auf der Wolfsseite des HLNUG. Einen Überblick über die Einwanderung von Wölfen in unser Bundesland bieten unsere Wolfsseiten.

Luchs „M9“ ist tot

Am 21. Juni wurde der in Niedersachsen besenderte Luchs „M9“ bei Hessisch Lichtenau (Werra-Meißner-Kreis) tot geborgen. Er hatte sich unter einen Schuppen im freien Feld zurückgezogen und war dort verendet. Der in Hessen auch als „Pou“ bekannte Kuder war völlig abgemagert. Sein Gewicht hatte sich auf ganze 10 Kilo halbiert.

Die Spurenlage zeigte, dass „M9“ auf eigenen Pfoten dorthin gekommen war. Schleifspuren oder menschliche Fußabdrücke waren nicht zu finden. Daher kann eine Fremdeinwirkung am Fundort ausgeschlossen werden. Das Tier wies keine sichtbaren Verletzungen oder äußerlich erkennbaren Krankheiten auf.

Das Luchsprojekt Harz hatte das Landesamt für Naturschutz (HLNUG) alarmiert. Einer unserer regionalen Luchsbeauftragten übernahm die Bergung, bei der auch die Polizei hinzugezogen wurde. Im Harz war zuvor ein eindeutiges „Totsignal“ empfangen worden. Das GPS-Halsband des Tieres hatte 24 Stunden lang von der gleichen Stelle gesendet und so Bewegungslosigkeit signalisiert.

Die Obduktion beim Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin ergab, dass „M9“ an einer fortgeschrittenen Entzündung der Lunge und des Rippenfells litt. Dadurch war er so entkräftet, dass er nicht mehr jagen konnte und schließlich verhungert ist.

Wölfe streifen durch das Land

In Hessen waren in letzter Zeit etliche Einzelwölfe unterwegs, die offenbar nur durchgezogen sind. Laut Landesamt für Naturschutz (HLNUG) gibt es keine Hinweise auf ortsfeste Streifgebiete.

Am 6. Juni dokumentierte eine Fotofalle des Luchs-Monitorings nordwestlich von Herleshausen (Werra-Meißner-Kreis) einen Wolf. Bereits Anfang Juni war einem Landwirt bei Dirlammen (Vogelsbergkreis) ein weiterer Wolf begegnet, der dessen Traktor offenbar für ungefährlich hielt und den Menschen in der Kabine nicht wahrnahm. Das Tier konnte deshalb längere Zeit beobachtet werden.

Bei Dirlammen gelangen etliche Fotos und ein Video, das aus der Kabine des Traktors gedreht wurde.


 

Ende Mai konnte ein einzelner Wolf auch bei Feldatal-Stumpertenrod (Vogelsbergkreis) gefilmt werden. Der Aufnahmeort wurde vom zuständigen Luchsbeauftragten bereits überprüft. Mittlerweile hat auch die Fachstelle Wolf des Bundes (DBBW) das Material ausgewertet und einen Wolf bestätigt.


 

Neben dem Video gelangen bei Stumpertenrod auch etliche Fotos, die dasselbe Tier zeigen:

Bereits am 12. Mai war bei Ulrichstein (Vogelsbergkreis) ein Wolf fotografiert worden. Im April wurden bei Zierenberg (Kreis Kassel) und bei Mittelkalbach (Kreis Fulda) an gerissenen Schafen Genproben genommen, die ebenfalls einen Wolf belegen. In Mittelkalbach konnte die Wölfin GW1227f ermittelt werden, die bisher in Hessen noch nicht nachgewiesen wurde. Die Proben aus Zierenberg belegten den Wolfsrüden GW1258m. Anfang April erfasste eine Kamera des Luchs-Monitorings bei Heyerode (Thüringen) einen weiteren Wolf. Vom Aufnahmeort sind es noch ganze 6 km bis zur hessischen Grenze.

Bei zwei toten Schafen, die Ende März bei Alheim-Licherode (Kreis Hersfeld-Rotenburg) untersucht wurden, konnte mittlerweile die Wölfin GW1142f als „Täterin“ ermittelt werden.

Die Vorgeschichte des toten Wolfs, der am 28. Februar an der A 45 bei Herborn entdeckt wurde, haben wir ja bereits breiter dargestellt. Die Wölfin stammte aus keinem der genetisch bekannten Rudel, konnte aber durch ihre Gengruppe HW01 der mitteleuropäischen Flachlandpopulation zugeordnet werden. Sie wurde vom Forschungsinstitut Senckenberg als GW1194f in die Datenbank aufgenommen.

Genproben von einem Rehriss Ende Februar bei Bad Hersfeld-Kathus belegten die Wölfin GW1166f. Bereits am 19.02. geriet ein wolfsähnliches Tier bei Herleshausen (Werra-Meißner-Kreis) in eine Fotofalle des Luchs-Monitorings. Das Bild legt einen Wolf nahe, kann aber wegen seiner unzureichenden Qualität nicht als C1-Nachweis gewertet werden.

Hinweise auf Wölfe nehmen unsere Luchsbeauftragten in den Landkreisen gerne entgegen. Weitere Informationen zum Wolf in Hessen finden Sie auf unseren Wolfsseiten und beim Landesamt für Naturschutz.

Luchs „M9“ nimmt eine Abkürzung

Der in Niedersachsen besenderte Luchs „M9“ war im Frühjahr 2019 überwiegend im Werra-Meißner-Kreis unterwegs. Mitte März lief er ausgesprochen entspannt durch einen Bauernhof in einem Ortsteil von Hessisch Lichtenau. Die dort installierte Überwachungskamera erfasste ihn kurz nach Mitternacht.


 

Da in und an dem Gehöft keine Nutztiere gehalten werden, ging es offensichtlich nicht um einen Beutezug. „M9“ wollte wohl lediglich zu einem nahen Waldrand und die Durchquerung der Hofstelle war der kürzeste Weg. Inzwischen hat das Luchsprojekt Harz die Funksignale des Kuders ausgewertet und seinen Aufenthalt im Westen von Hessisch Lichtenau bestätigt.

Toter Wolf bei Herborn wurde zuvor gefilmt

Laut Umweltministerium wurde am 28.02.2019 an der Autobahn A 45 bei Herborn (Lahn-Dill-Kreis) ein toter Wolf entdeckt, der offenbar von einem Kraftfahrzeug getötet worden war. Die kräftige Wölfin wog 35 Kilogramm. Das Forschungsinstitut Senckenberg ermittelte bei ihr die Gengruppe HW01 und konnte sie so der mitteleuropäischen Flachlandpopulation zuordnen. Inzwischen wird davon ausgegangen, dass es sich um jenes Tier handelt, das bereits am 26.02. zwischen Steinperf und Bottenhorn (Kreis Marburg-Biedenkopf) von einer Spaziergängerin gefilmt worden war.


 

Am 27.02. war dann bei Bottenhorn ein überfahrenes Reh gefunden worden, das ein großer Beutegreifer als Aas genutzt hatte. An den Einbissen wurden genetische Proben gezogen und untersucht. Sie stimmten mit dem Genprofil der toten Wölfin überein, die also in der Nähe des Aufnahmeortes war. Unwahrscheinlich, dass es dort einen zweiten Wolf gab, der der Spaziergängerin vor die Kamera lief. Die Genetik belegt zudem, dass das tote Tier nicht jene Wölfin ist, die auf dem Truppenübungsplatz Daaden mehrfach genetisch nachgewiesen wurde. Darüber war spekuliert worden, da das Militärareal im rheinland-pfälzischen Westerwald nur 25 km Luftlinie vom Unfallort entfernt liegt.

Mittlerweile hat sich ebenfalls herausgestellt, dass der am 19.02.2019 auf der A6 bei Öhringen (Baden-Württemberg) überfahrene Wolf jenes Tier war, das Mitte Januar aus dem Wildpark Knüll bei Homberg/Efze (Schwalm-Eder-Kreis) entkommen konnte. Der Gehegewolf wurde durch einen implantierten Chip identifiziert.

Video belegt „neuen“ Luchs im Reinhardswald

Die Luchssichtungen der letzten Monate im Reinhardswald (Landkreis Kassel) wurden mittlerweile von einer Videoaufnahme bestätigt, die einem Revierleiter von HessenForst Anfang Januar im Nordosten des Waldgebietes gelang.


 

Die Nähe zur niedersächsischen Grenze lässt vermuten, dass dieses Tier aus dem 30 km entfernten Solling zugewandert ist, wo 2018 auch Luchsnachwuchs belegt werden konnte. Ob es sich bei dem Luchs um ein Weibchen oder einen Kuder handelt, lässt sich anhand der Aufnahme nicht klären. Deutlich ist allerdings, dass das Tier kein Senderhalsband trägt. Die Suche nach genetischem Material im Umfeld blieb leider ohne Erfolg.

Schafe bei Hessisch Lichtenau gerissen

„M9“ bei Hessisch Lichtenau (Foto: Mike-Patrick Heinemann)
„M9“ bei Hessisch Lichtenau

Als Hobbyzüchter Mike-Patrick Heinemann Mitte Januar auf seine Weide bei Hessisch Lichtenau (Werra-Meißner-Kreis) kam, lagen seine zwei Zwerg-Schafe tot hinter dem Elektrozaun. Nur wenige Meter daneben bewachte ein Luchs mit Senderhalsband die beiden Risse. Der entfernte sich nun ohne Hast über die Nachbarweide und konnte dabei fotografiert werden. Der zuständige Luchsbeauftragte dokumentierte die typischen Fraßspuren und die ordnungsgemäße Zäunung durch 1,20 m hohe Gitternetze, die ausreichend Strom aufwiesen. Das Luchsprojekt Harz bestätigte wenig später verdichtete Ortsmeldungen von Kuder „M9“ auf Heinemanns Weide. Der „Täter“ war identifiziert.

Schon Wochen zuvor hatte „M9“ an der Landesgrenze bei Hann. Münden für Aufsehen gesorgt, als er dort am vierten Adventssonntag ein gerissenes Reh bewachte und sich von Spaziergängern nicht weiter stören ließ (siehe unten).
Seine Telemetrie-Daten zeigen, dass er sich wenig später für die Rückkehr nach Hessen entschied, wo er bereits 2016 nachgewiesen worden war. Damals wurde er bei uns als „Pou“ registriert.

Bei seiner neuerlichen „Hessen-Tour“ ab Ende Dezember wurde „M9/Pou“ nicht nur kontinuierlich geortet, sondern auch am 28.12.18 bei Alheim (Kreis Hersfeld-Rotenburg) fotografiert. Das Senderhalsband war nicht zu übersehen. Danach zog er wieder gen Norden in den Werra-Meißner-Kreis, wo er auf die beiden Zwerg-Schafe traf. Die Kleinwüchsigkeit der Tiere dürfte dabei eine Rolle gespielt haben, denn andere, normal große Schafe auf Heinemanns Weide hat er nicht angerührt. Der Züchter bedauerte natürlich den Verlust seiner seltenen Quessant-Schafe, zeigte aber auch Verständnis für den Luchs, der ja „erlaubte“ und „unerlaubte“ Beutetiere nicht unterscheiden könne. Natürlich habe auch die Großkatze das Recht, in Hessens Wäldern zu leben.

Der Luchs in den Landkreisen

Die „veralteten“ Beiträge der aktuellen Seite wurden früher nur intern archiviert. Wir machen sie nun nach und nach auf unseren Landkreis-Seiten zugänglich. Dort wurden mittlerweile die interessantesten Luchshinweise aus neun Kreisen und einem Stadtgebiet zusammengestellt und aktualisiert.

Faltblatt als Download

Das Faltblatt „Der Luchs ist zurück in Hessen“ (pdf·1 MB), das das Umweltministerium in Zusammenarbeit mit dem AK Hessenluchs herausgegeben hat, steht nun auch als Download im Netz. Es enthält einen kurzen „Steckbrief“ des Luchses und beantwortet die häufige Frage nach der Gefährlichkeit der Tiere für Menschen und Hunde. Thema ist auch die Perspektive des bislang kleinen, hessischen Luchsbestands.


Weiter finden Sie auf den Seiten des Arbeitskreises Hessenluchs:


Luchs in Überwachungskamera

  • Die Telefonnummern der Luchsbeauftragten in Ihrem Landkreis, die Ihre Luchsbeobachtung (Sichtung, Rissfund, Fährte, Ruf) gerne entgegennehmen und ein offenes Ohr für Ihre Fragen zum Thema Luchs haben.
  • Unser virtuelles Merkblatt Luchsspuren hilft bei der Identifikation von Luchsnachweisen aller Art.
  • Unter dem Stichwort Der Luchs finden Sie einen Rückblick auf die Einwanderung der Luchse in unser Bundesland und wichtige Daten zu ihrer Biologie.
  • Die jährlichen Luchsberichte (pdf·6,5 M) dokumentieren die neuere Entwicklung.
  • Außerdem bieten wir ausgewählte Artikel aus der Presse zum Thema „Luchs in Hessen“
  • und kündigen interessante Luchs-Veranstaltungen an.
  • Auch die Wölfe finden bei uns ein Refugium. Wir haben die Beobachtungen in Hessen zusammengestellt.
  • Auf der Seite „Über uns“ erfahren Sie, wer hinter dem „Arbeitskreis Hessenluchs“ steckt.

 

Video rechts:
Ende September 2005 lief bei Marburg ein Luchs durch den Aufnahmebereich einer Überwachungskamera.

Mobile Fotofallen sind einsatzbereit

Luchs in Fotofalle in Hessen / Schwalm-Eder-Kreis
Schnappschuss mit Selbstauslöser
(zum Vergrößern klicken)

Der Arbeitskreis verfügt über mobile Fotofallen, die im Werra-Meißner-Kreis und im Rhein-Main-Gebiet „stationiert“ sind. Sie sind jederzeit einsatzbereit, wenn aus irgend einem Teil Hessens ein gerissenes Wild- oder Nutztier gemeldet wird, das von einem Luchs erbeutet wurde. Wichtig ist, dass das gerissene Tier dann unberührt am Fundort verbleibt und möglichst rasch ein für den Landkreis zuständiger Luchsbeauftragter informiert wird. Da der Luchs in der Regel mehrfach zu seiner Beute zurückkehrt, sind die Chancen gut, dass er dabei die Fotofalle auslöst. Wir installieren die Spezialkamera stets in Absprache mit dem Jagdausübungsberechtigten. Bei Nutztieren (Schafe, Ziegen, Gatterwild) wird natürlich der Besitzer hinzugezogen.

Rückblick: Die vergangenen Monate

„Luchsspuren 14“ Ende Mai in Wetzlar

Auch in diesem Jahr lädt der Arbeitskreis Hessenluchs wieder zu seiner Fortbildung ein. „Luchsspuren 14“ findet am Samstag, dem 25. Mai, in der Naturschutzakademie in Wetzlar statt und steht allen Interessierten offen.

Thema des Wildbiologen Paolo Molinari (Tarvisio) wird das Management großer Beutegreifer in Italien und der dortige Umgang mit Mischlingswölfen sein. Von Markus Port (Uni Göttingen) erwarten wir die obligate Bilanz des Foto-Monitorings in Nordhessen und erfahren von ihm auch Details der neuen Monitoringprojekte in Thüringen, an denen er maßgeblich beteiligt ist. Die Interaktion zwischen Luchs und Reh ist das Thema eines Forschungsprojektes in der Pfalz, das Carolin Tröger und Ulf Hohmann von der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft (Trippstadt) vorstellen werden. Die Ermittlung von Genprofilen bei Luchs und Wolf wird uns dann Carsten Nowak (Wildtiergenetik Senckenberg, Gelnhausen) näherbringen. Ergänzend gibt uns seine Kollegin Laura Hollerbach praktische Hinweise zur Beprobung von Rissen und Kot für die DNA-Bestimmung und erläutert ihre Suchhund-Einsätze beim Monitoring großer Beutegreifer.

Die Veranstaltung ist kostenlos, hat allerdings eine Anmeldefrist bis 10. Mai. Laden Sie sich die Einladung mit Anmeldeabschnitt (pdf·160 KB) herunter. Sie darf gerne an Interessierte weitergegeben werden.

Luchs „M9“ an der Landesgrenze

Spaziergänger hatten die Luchsbeauftragte alarmiert. Oben im Wald läge ein „unfreundlicher Luchs“ direkt neben dem Weg, der alle Leute mit Hunden aggressiv anfauche. Und das an einem friedvollen Sonntagmorgen im Dezember 2018, einen Tag vor Heiligabend. Über Facebook gab es schon erste Fotos und der Aufmarsch der Neugierigen hielt an.

Der Ort der Aufregung lag im Stadtwald von Hann. Münden (Niedersachsen), ganze 30 Meter von der hessischen Grenze entfernt. „Der Luchs schien sehr gelangweilt“, so die Luchsbeauftragte Petra Walter, Revierleiterin bei HessenForst, die praktischerweise in Münden zuhause ist. „Er döste im Wegedreieck zweier Hauptspazierwege, gähnte ab und zu herzhaft, streckte sich gelegentlich und wedelte freundlich mit dem Stummelschwanz. Nicht ohne Starallüren – wie mir schien. Eine Distanz von 10 Meter Entfernung zu den Menschen beunruhigten ihn nicht sonderlich. Lediglich aufdringliche Hunde brachten ihn in Wallung und führten zu Scheinangriffen.“

Der Luchs hatte einen guten Grund, dort zu sein. Er bewachte ein frisch gerissenes Reh, das er mit Laub abgedeckt und so nahezu unsichtbar gemacht hatte. Seine Ohrmarke und sein Senderhalsband legten nahe, dass er aus dem Harz zugewandert war. Ole Anders vom Luchsprojekt Harz wurde hinzugezogen und identifizierte das Tier als Kuder „M9“, der am 6. Dezember 2018 bei Seesen (Harz) zum zweiten Mal besendert worden war. Bereits 2016 war er in Nordhessen in etliche Fotofallen geraten und wurde damals „Pou“ getauft. Kurz danach konnte er bei Hedemünden (Niedersachsen) erstmals mit einem Sender versehen werden. Seit damals führt ihn das Luchsprojekt Harz als „M9“. Irgendwann verlor „Pou/M9“ dann dieses erste Senderhalsband und geriet aus dem Blick.
Nun stand er kurz vor seiner Rückkehr nach Hessen und um ihn herum die aufgeregten Spaziergänger und Hobbyfotografen. Um die Situation im Mündener Stadtwald zu beruhigen, entschied man schließlich, den Riss an eine nahe, aber unzugängliche Stelle zu verlegen, an der „Pou“ die Chance hatte, ihn erneut in Besitz zu nehmen.


 

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