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Pressespiegel

Der Luchs schleicht wieder durch Hessens Wälder
Rhön, Spessart, Odenwald: Immer öfter werden Sichtungen und Spuren der Raubkatze gemeldet / BUND vermutet kleine Population

Frankfurter Rundschau, Stephan Börnecke, 24. Juli 2006

Der Luchs ist wieder da: Was vor drei, vier Jahren noch äußerst ungewiss schien und nur durch wenige, mitunter zweifelhafte Beobachtungen belegt war, wird immer deutlicher. Seit 1985 liegen aus Hessen 100 Meldungen vor, die meisten aus den letzten zwölf Monaten.

Frankfurt - Beim Arbeitskreis Luchs, vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) sowie vom Ökologischen Jagdverein (ÖJV) vor zwei Jahren gegründet, ist man zwar weiter vorsichtig, was die Meldungen über vermeintliche oder tatsächliche Beobachtungen eines Luchses anbelangt. Wenn auch nur zwei dieser Meldungen in die Kategorie A ("Harte Fakten: Fänge, Todfunde, Fotos, Tonaufnahmen") gehören, so ist sich BUND-Naturschutzreferent Thomas Norgall dennoch sicher: "Wir haben den Luchs in unseren Wäldern. Er akzeptiert diesen Lebensraum."

Die Sichtungen und Spuren gehen quer durchs Land: Erste glaubhafte Informationen stammten aus dem osthessischen Ringgau, wo Gutsverwalter Stephan Boschen seit 1999 etliche Beobachtungen sammelte. Doch inzwischen sind praktisch alle hessischen Landesteile vertreten, so dass die ursprüngliche Annahme, es handle sich um Gefangenschaftsflüchtlinge oder ausgesetzte Tiere, immer fragwürdiger werden.

So hatte sich auch der hessische Arbeitskreis zu einem Zeitpunkt gegründet, als man im benachbarten Nordrhein-Westfalen gerade von einem Auswilderungsprojekt für den Luchs Abstand nahm. Der Grund: Es gibt auch dort, und zwar in Eifel und Sauerland, ernst zu nehmende Hinweise auf wildlebende Luchse.

Rhön, Spessart, Vogelsberg, Reinhardswald, zuletzt der Odenwald: Dort lauschte der örtliche Kreisvorsitzende des Naturschutzbunds Nabu, Peter Schabel, im Frühjahr den Paarungslauten von zwei Luchsen, und vor wenigen Tagen entdeckte er sogar den Pfotenabdruck eines Lynx lynx, so der wissenschaftliche Name der etwa schäferhundgroßen Katze.

Selten allerdings gelingt der echte Beweis: Der Fund eines toten Tieres oder ein Foto, wie im September 2005, als ein Luchs von der Überwachungskamera eines Marburger Schullandheims aufgenommen wurde, sind die Ausnahme. Nahe Herborn konnte ein Luchsfahnder hingegen eindeutige Rufe aufnehmen. Zwei solcher Tondokumente hat der Arbeitskreis auf seiner Homepage veröffentlicht. Solche Beweise gelten den Luchsfreunden als A-Hinweis auf den Luchs, während von Fachleuten bestätigte Risse oder Fährten in die Kategorie B gehören und sonstige bloße Sichtkontakte als C-Hinweis in der Statistik geführt werden. Der Arbeitskreis hat inzwischen ein Netz von Luchsberatern geschaffen: Wer glaubt, einen Luchs gesehen oder eine Spur entdeckt zu haben, trifft bei ihnen auf sachkundige Hilfe.

Als einer der "Hotspots" scheint sich inzwischen der Spessart herauszustellen: Dort hatte ein Förster aus dem Kasselgrund bereits vor einigen Jahren eindeutige Beobachtungen gemacht, darunter den Rissfund eines Rehs. Inzwischen gibt es weitere Sichtungen, darunter sogar einmal ein Alttier zusammen mit einem Jungtier. Auch ein weiterer Riss wurde an den Arbeitskreis weiter geleitet: Danach hatte ein Luchs in einem Damwildgehege ein Kalb erlegt. Kaum ging diese Meldung aus dem nördlichen Spessartrand ein, forderte der hessische Landesjagdverband bereits vom Land Hessen, von Luchs-Rissen betroffeneTierhalter sollten entschädigt werden.

Doch wo kommen die Luchse her? Die nächsten Vorkommen, wie Harz, Bayerischer Wald oder Pfälzer Wald, sind weit weg. Doch die Katzen legen weite Wege zurück und streifen in einem Lebensraum umher, der um die 100 Quadratkilometer groß ist - doppelt so groß wie der hessische Nationalpark Kellerwald. Die Herkunft bleibt offen, auch die Frage, um wie viele Tiere es sich handelt und wie viele Doppelsichtungen gezählt wurden. BUND-Referent Norgall wagt sich weit vor: Er hält es für "nicht ganz unwahrscheinlich", dass es in Hessen vielleicht schon seit zwei Jahrzehnten eine "dünne Population" einer Tierart gibt, die hierzulande seit zwei Jahrhunderten als ausgestorben galt.

Mit freundlicher Genehmigung von Stephan Börnecke

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