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Der Luchs im Schwalm-Eder-Kreis (Teil 3)

 

Luchsbeauftragte im Schwalm-Eder-Kreis
Schwalm-Eder-Kreis

Haben Sie einen Luchs gesehen, eine „verdächtige“ Fährte entdeckt, ein gerissenes Wild- oder Nutztier gefunden? – Dann informieren Sie bitte einen Luchsbeauftragten in Ihrem Landkreis:

  • Peter Bachmann: 0171 – 514 94 42
  • Juliane Bieling: 06695 – 96 13 25, Mobil: 0160 – 533 99 18
  • Markus Schönmüller: 05621 – 7 13 81
  • Jan Stetter: 0160 – 470 83 62, tagsüber: 05661 – 737 80

Mehr Informationen auf der Seite Luchshinweise melden.

Entspannte Begegnung bei der Ansitzjagd

Die Paarungszeit des Rotwilds ist ja hierzulande die hohe Zeit der Hirschjagd. Ein Umstand, der zu verstärkter Präsenz von Jägern und Forstleuten im Wald führt. Davon konnte auch unser Luchs-Monitoring profitieren.

Luchsin zwischen Fichten (Foto: Peter Katzmann)

Ende September 2012 saß ein Forstmann am frühen Morgen auf einem Hochsitz im Wald bei Melsungen und wartete auf einen „passenden“ Hirsch. Gegen 7 Uhr sah er in 100 m Entfernung auf einem Waldweg „schnelle Bewegungen“. Im Fernglas konnte er eine Luchsin mit drei Jungen ausmachen, die in Richtung seines Ansitzes zogen. Die Luchsin kam dann nur 10 m entfernt vorbei. Ein Jungtier fand die Ansitzleiter interessant und kam herüber. Es stellte sich unmittelbar darunter, gewahrte den Forstmann und schaute neugierig hoch. Dann gingen alle Vier ohne Hast ihres Weges.

Luchs-Jungtier am Hochsitz (Foto: Peter Katzmann)
Luchs-Jungtier schaut nach oben (Foto: Peter Katzmann)

Jungluchse beschleichen Jägerauto

Im November 2012 traf ein Jäger bei Melsungen auf eine Luchsfamilie, die wenig Scheu zeigte. Er war am Morgen kurz nach Acht mit seinem Auto auf einem Waldweg unterwegs, als er plötzlich in nur 20 m Entfernung einen Jungluchs sah. Der Jäger hielt sein Fahrzeug an und beobachtete das Tier, das einfach sitzen blieb.

Nach zehn Minuten näherte sich der Luchs dem Auto in geduckter „Pirschhaltung“, so als wolle er ein Beutetier beschleichen. Neben ihm tauchte nun ein zweiter Jungluchs auf. Beide umkreisten das Fahrzeug und berührten es mit den Pfoten. Dann zeigte sich auf der anderen Seite des Weges die Luchsin mit einem dritten Jungtier. Die Beiden kamen bis auf 10 m heran. Nach etwa einer halben Stunde verschwanden die vier Luchse langsam im Unterholz.

Luchsbeute im Laubhaufen

Bei Melsungen wurde im März 2013 ein Spaziergänger durch seinen Hund auf einen Luchs aufmerksam. Das Tier hatte offenbar am Vortag ein Reh gerissen und fast gänzlich mit Laub „verblendet“, also zugescharrt. Da Hund und Herr Distanz hielten, wich der Luchs nicht von seiner Beute und konnte fotografiert werden.

Im Laufe des Tages installierte der zuständige Luchsbeauftragte an dem Riss eine Fotofalle. Der Luchs nutzte seine Beute weiterhin und löste an den folgenden Tagen mehrfach die Spezialkamera aus:

Fotofallenaufnahme Luchs am verblendeten Riss, Nahe Melsungen (11.03.2013) Fotofallenaufnahme Luchs am verblendeten Riss, Nahe Melsungen (11.03.2013) Fotofallenaufnahme Luchs am verblendeten Riss, Nahe Melsungen (11.03.2013, Nachts) Fotofallenaufnahme Luchs, Nahe Melsungen (13.03.2013, Nachts) Fotofallenaufnahme Luchsaugen vor der Linse, Nahe Melsungen (13.03.2013, Nachts) Fotofallenaufnahme Luchs mit seinem Riss, Nahe Melsungen (12.03.2013, Nachts) (zum Vergrößern klicken)

Jogger trifft Luchs

Ende Dezember 2013 begegnete ein Jogger bei Melsungen einem Luchs. Das Tier zeigte sich um die Mittagszeit nur kurz an der Böschung eines Waldweges. Dennoch gelang eine Aufnahme mit einem Mobiltelefon. Der Luchs hatte den Läufer auf 40 m herankommen lassen. Dann erst verschwand er im Unterholz. Die Begegnung auf kurze Distanz belegt erneut, dass sich viele Wildtiere an häufige „Waldnutzer“ wie Jogger, Radfahrer und Wanderer gewöhnt haben und sie nicht als große Gefahr sehen.

 

Zwei Luchse bei Guxhagen

Im November 2014 traf ein Spaziergänger bei Guxhagen (Schwalm-Eder-Kreis) auf zwei Luchse, die ihn auf 15 m herankommen ließen. Ein Tier konnte aus nächster Nähe fotografiert werden. Die Begegnung fand um die Mittagszeit statt. Obwohl ein (angeleinter) Hund dabei war, zeigten die Luchse keinerlei Aufregung und verschwanden in aller Ruhe im Unterholz. Der Spaziergänger beschreibt zwei gleichgroße Tiere. Da aber im November noch keine Ranzzeit ist, wäre ein Rendezvous von Luchsin und Kuder sehr ungewöhnlich. Vermutlich war das zweite Tier ein fast erwachsener Jungluchs, der mit seiner Mutter unterwegs war.

Luchs sitzt bei Guxhagen (Schwalm-Eder-Kreis) im Unterholz (Foto: Raymund Brunner)
(zum Vergrößern klicken)

Stark geschwächter Luchs getötet

Aus Tierschutzgründen wurde Mitte August 2015 bei Melsungen ein weiblicher Luchs erschossen. Das stark geschwächte Tier war am Tag zuvor von einem Berufsjäger gefilmt worden. Die Aufnahmen zeigten, dass es sich kaum noch fortbewegen konnte. Ein Mitarbeiter der Oberen Naturschutzbehörde beim RP Kassel hatte an Ort und Stelle der Tötung des Tieres zugestimmt, nachdem zu beobachten war, wie es immer wieder zusammenbrach. Laut Regierungspräsidium war eine tierärztliche Versorgung nicht mehr möglich, da das Tier eine Narkose und einen Transport nicht überlebt hätte. Das vorjährige Jungtier war so stark abgemagert, dass es nur noch acht Kilogramm wog. Normalerweise wiegt ein Jährling in seinem zweiten Sommer zwischen 18 und 20 Kilogramm.
Die Obduktion ergab, dass der Luchs keine Infektionskrankheit hatte. Auch ein Befall durch Fuchsräude oder innere Parasiten lag nicht vor. Im Magen fanden die Veterinärpathologen lediglich wenige Gramm einer Blindschleiche und Pflanzenreste.
Vermutlich ist das subadulte Tier nach Trennung von der Mutter nicht im Stande gewesen, sich alleine zu ernähren. Es wurde immer schwächer und wäre in absehbarer Zeit verhungert. Kein ungewöhnlicher Vorgang, denn bis zu 70 % der Jungluchse verenden in ihrem zweiten Lebensjahr.

 

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