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Der Luchs im Landkreis Kassel (Teil 3)

 

Luchsbeauftragte im Landkreis Kassel
Landkreis Kassel

Haben Sie einen Luchs gesehen, eine „verdächtige“ Fährte entdeckt, ein gerissenes Wild- oder Nutztier gefunden? – Dann informieren Sie bitte eine(n) Luchsbeauftragte(n):

  • Wilfried Bettenhausen: 05671 – 92 56 79, Mobil: 0160 – 470 82 00
  • Petra Walter: 05541 – 95 33 05, Mobil: 0175 – 222 06 30
  • Reinhard Vollmer: 05692 – 9898-0

Mehr Informationen auf der Seite Luchshinweise melden.

Luchs vertraut „Luchsflüsterer“

Im Oktober 2012 traf im südlichen Landkreis Kassel ein einheimischer „Waldläufer“ auf einen Luchs, der zunehmend Vertrauen fasste und schließlich mit einer sehr kurzen Fluchtdistanz zufrieden war. Die Begegnung fand in der Nähe des Stellbergsees statt, dessen kleinerer Teil zum Schwalm-Eder-Kreis gehört. Eine Grenzerfahrung – in vielerlei Hinsicht:

Gegen 18.30 Uhr begegnete dem Mann zunächst ein Paar, das im Wald seine Bobtails ausführte. Die Hunde wurden kurzgehalten. Die Beiden erklärten, das sei nötig, da ihnen ein Luchs folgen würde. „Ich schaute dann den Weg runter“, erzählt der Waldläufer, „und sah etwa 20 m hinter dem Paar den Luchs, der etwa so groß wie ein Schäferhund war.“


Die kurze Distanz fasziniert den Mann. Er geht auf den Luchs zu und setzt sich etwa 10 m vor ihm auf den Weg. Das Tier kommt nun „leise brummend“ auf ihn zu und läuft dann mehrfach im Halbkreis vor ihm auf und ab. Der Luchs hält dabei Blickkontakt und lässt weiterhin seinen leisen Warnlaut hören.

„Ich redete ruhig auf ihn ein. Schließlich legte er sich ungefähr 4 m vor mich. Nach einiger Zeit sagte ich ihm, er müsse jetzt hier warten, denn ich wolle zuhause meine Kamera holen“. Gegen 21.30 Uhr kam der ortskundige „Luchsflüsterer“ mit dem Fotoapparat zurück und traf tatsächlich oberhalb des Stellbergsees erneut auf den Luchs. Die Sitzhaltung in Augenhöhe wurde wieder akzeptiert. Entfernung diesmal: ganze drei Meter. Dabei gelangen etliche Fotos, die einen ziemlich entspannten Luchs zeigen: „Dann saßen wir ungefähr zwei Stunden zusammen und genossen beide den warmen Herbstabend.“


Die Begegnung auf kurze Distanz legt nahe, dass das Tier mit Menschen vertraut war. Dafür spricht auch, dass der Luchs hinter Spaziergängern herlief. Die vorsichtige Annäherung mit Warnlaut könnte darauf hinweisen, dass die Prägung auf Menschen nicht allzu stark war. Also eher ein Gatterluchs, als ein Tier, das in einem Haushalt aufgewachsen ist. Unwahrscheinlich, aber nicht völlig abwegig, ist eine zweite Interpretation, die vermutet, dass es da einem einfühlsamen „Luchsflüsterer“ gelang, eine besondere Beziehung zu einer wilden Großkatze aufzubauen.

Luchse bewachen ihren Riss

Ende Dezember 2012 traf eine Studentin mit ihrem Hund bei Helsa-St.Ottilien (Landkreis Kassel) auf eine Luchsfamilie, die ihren Rehriss in Gefahr sah. Hund und „Frauchen“ wurden unmissverständlich auf Abstand gehalten. Beschrieben wurde eine Luchsin mit zwei nahezu erwachsenen Jungtieren. Die Studentin trat vorsichtshalber den Rückzug an, kam aber in Begleitung ihres Vaters zurück. Die Luchsfamilie war noch da und es gelangen etliche Fotos.

Luchs bei St. Ottilien (Foto: Walter Liese) Luchs bei St. Ottilien (Foto: Walter Liese) Luchs bei St. Ottilien (Foto: Walter Liese) zwei Luchse bei St. Ottilien (Foto: Walter Liese) zwei Luchse bei St. Ottilien (Foto: Walter Liese) Luchs bei St. Ottilien (Foto: Walter Liese) Luchs bei St. Ottilien (Foto: Walter Liese)


Am nächsten Tag konnten die Tiere erneut an ihrem Riss fotografiert werden. Leider gelang es nicht, alle Drei zusammen abzulichten. Nach den Monitoring-Standards des Bundesamtes für Naturschutz gelten bei (fast) gleichgroßen Luchsen erst drei Tiere im Bild als Beleg für Nachwuchs. Bei zwei Tieren könnten sich auch Luchsin und Kuder getroffen haben.

Dass der Studentin etwas mulmig geworden war, ist nachzuvollziehen. Die Luchse fauchten und kamen dabei auch näher. Die Aggressivität galt allerdings in erster Linie dem Hund. Die Nachfahren des Wolfes werden als Beutekonkurrenten betrachtet und gelten damit als potentielle „Futterdiebe“. Menschen werden eher „neutral“ gesehen. Eine reale Gefahr für „das Frauchen“ bestand zu keinem Zeitpunkt.

Fotogener Luchs in der Söhre

Anfang März 2013 trafen zwei Spaziergänger bei Söhrewald (Landkreis Kassel) auf einen Luchs. Es gelangen mehrere Aufnahmen. An den Resten seines Rehrisses fanden sie zudem die Losung des Tieres. Ein seltener Fund, da der Luchs seine „Hinterlassenschaft“ meist nach Katzenart vergräbt.

Luchs bei Söhrewald (Foto: Norbert Nordmeyer) Luchs bei Söhrewald (Foto: Norbert Nordmeyer) Luchs bei Söhrewald (Foto: Norbert Nordmeyer) Luchs bei Söhrewald (Foto: Norbert Nordmeyer) Luchs bei Söhrewald (Foto: Norbert Nordmeyer) Luchslosung bei Söhrewald (Foto: Norbert Nordmeyer)


Jungluchs sendet aus dem Grenzgebiet

Der Anfang Mai 2013 nördlich Hann. Münden (Niedersachsen) besenderte Luchskuder M6 war zwischenzeitlich auch mal in Hessen. Am 7. Mai meldete er sich via GPS diesseits der Landesgrenze. Das Signal kam aus einem Waldareal etwa 6 km südöstlich von Oberweser (Landkreis Kassel). Das einjährige Jungtier war in der Walpurgisnacht in eine Kastenfalle des Luchsprojektes Nationalpark Harz gegangen. Die Falle stand ganze 500 m von jenem Platz entfernt, an dem zuvor ein Luchs gesehen wurde, der ein Sendehalsband getragen haben soll. Die Fachleute vom NP Harz vermuten daher, dass es dort nur diesen einen Luchs gab. Das Halsband war mutmaßlich eine „optische Täuschung“. Es hatte die Spekulation genährt, dass der seit 2010 in Hessen „verschollene“ Luchskuder M2 wieder aufgetaucht sein könnte. Mit M6 ist nun de facto ein Luchs mit Sendehalsband im Grenzgebiet unterwegs.

Luchsbegegnungen in der Söhre

Anfang Januar 2014 wurden bei Söhrewald (Landkreis Kassel) mehrere Luchse an einem Platz beobachtet. Die Meldungen sprechen von 2 und 3 Tieren, die von verschiedenen Beobachtern nahezu zeitgleich im selben Waldareal gesehen wurden. Ein Tier konnte auf große Distanz fotografiert werden. Es muss offen bleiben, ob es sich dabei um eine Luchsin mit fast erwachsenen Jungen gehandelt hat, oder ob eine frühe Ranzzeit Kuder und Luchsin zusammenführte. Die „Dreier-Konstellation“ legt eine Luchsfamilie nahe. Allerdings wurde kein Größenunterschied bemerkt. In dieser Jahreszeit sind Jungtiere aber auch nur wenig kleiner als ihre Mutter.

Luchse bei Söhrewald (Foto: Pia Hildebrand) Luchs bei Söhrewald (Foto: Pia Hildebrand) Luchs bei Söhrewald (Foto: Pia Hildebrand)
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