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Der Luchs im Landkreis Kassel (Teil 5)

 

Luchsbeauftragte im Landkreis Kassel
Landkreis Kassel

Haben Sie einen Luchs gesehen, eine „verdächtige“ Fährte entdeckt, ein gerissenes Wild- oder Nutztier gefunden? – Dann informieren Sie bitte eine(n) Luchsbeauftragte(n):

  • Petra Walter: 05541 – 95 33 05, Mobil: 0175 – 222 06 30
  • Reinhard Vollmer: 05692 – 9898-0

Mehr Informationen auf der Seite Luchshinweise melden.

Jungluchse im Kaufunger Wald markiert

2015 konnten in Hessen erstmals Jungluchse in der Wurfhöhle aufgesucht und markiert werden. Das Geheck der Luchsin F7 wurde Anfang Juni im Kaufunger Wald unter dem Wurzelteller einer umgestürzten Fichte entdeckt. F7 hatte vier Junge. Der vierte Jungluchs – ein Weibchen – war allerdings tot. Die drei lebenden Jungtiere wurden vermessen und gewogen. Die zwei Männchen und das Weibchen brachten zwischen 700 und 800 Gramm auf die Waage. Sie waren zu diesem Zeitpunkt bereits vier Wochen alt. Den Jungen wurde ein Chip implantiert. Zur Ermittlung des Genprofils wurden zudem etwas Speichel und einige Haare entnommen.

Durchgeführt wurde die Markierung von Experten des Luchsprojekts Harz, die die Mutter im Frühjahr im grenznahen Niedersachsen mit einem Sender versehen hatten. Im Mai hatten sich dann die GPS-Signale im hessischen Teil des Kaufunger Waldes gebündelt. Die Vermutung, dass dort die Wurfhöhle sei, erwies sich als richtig.

Wurfhöhle von F7 mit Jungluchsen (Foto: Luchsprojekt Harz) Jungtier wird vermessen (Foto: Luchsprojekt Harz) Jungtier von Luchsin F7 (Foto: Luchsprojekt Harz) (zum Vergrößern klicken)

Die Markierung von Jungluchsen ist eine gängige Methode um ihren späteren Verbleib nachweisen zu können. Der Eingriff ist nicht riskant. Nach solchen „Störungen“ lassen Luchsmütter ihren Nachwuchs nicht im Stich. So war das auch im Kaufunger Wald. Kaum hatten die Luchsexperten den Ort verlassen, kam Luchsin F7 zurück und trug ihre Jungen an einen anderen Platz.

Luchsin „F7“ eingeschläfert

Im November 2015 musste im grenznahen Staufenberg-Nienhagen (Niedersachsen) die Luchsin „F7“ von einer Tierärztin eingeschläfert werden. Das Tier war seit Februar 2015 mit einem GPS-Sender unterwegs und bewegte sich im Kaufunger Wald sowohl auf hessischer als auch auf niedersächsischer Seite. Die Luchsin war in einem stark abgemagerten, geschwächten Zustand und wies starken Räudebefall auf.

„F7“ führte 2015 drei Jungluchse, über deren Verbleib es keine Hinweise gibt. Es ist allerdings zu befürchten, dass sie von der Mutter infiziert wurden und ebenfalls nicht mehr am Leben sind. 2015 kamen im niedersächsischen Teil des Kaufunger Waldes drei Luchse zu Tode, die massiv von Räudemilben befallen waren. Es handelte sich dabei um ein vorjähriges Jungtier und zwei Jungluchse, die 2015 geboren wurden. Alle drei wurden völlig entkräftet gefunden und mussten eingeschläfert werden. Die Räude wird wahrscheinlich von kranken Füchsen übertragen, die von Luchsen erbeutet werden. Ein Fotofallenbild vom Sommer 2015 deutete darauf hin, dass auch die führende Luchsin im niedersächsischen Nachbar-Territorium von „F7“ an Räude erkrankt war. Die beiden eingeschläferten Jungluchse wurden ihr zugeordnet.

Dieses Luchsweibchen und die Luchsin „F7“ waren im Erfassungsjahr 2015/16 die einzigen Tiere im hessisch-niedersächsischen Grenzraum, bei denen Nachwuchs bestätigt werden konnte. Daher ist leider zu vermuten, dass dort alle 2015 geborenen Jungluchse verendet sind.

Dieser Rückschlag muss aber nicht bedeuten, dass der Luchsbestand im gesamten Verbreitungsgebiet gefährdet ist. Das Monitoring in Nordhessen und Südniedersachsen belegt weitere erwachsene Luchse, die in den nächsten Jahren durchaus für Nachwuchs sorgen könnten. Der Bestand kann zudem durch Zuwanderung aus dem Harz stabilisiert werden. Allerdings kann man weiterhin nicht ausschließen, dass sich die Räude ausbreitet und weitere Verluste zu erwarten sind.

Gatterwild von Luchs gerissen

In der Nacht zum 20. Januar 2017 wurden in einem Gehege bei Söhrewald (Landkreis Kassel) sieben Stück Damwild gerissen. Betroffen waren ausschließlich Alttiere und Kälber, die alle nur einen Kehlbiss aufwiesen. Ansonsten waren sie unversehrt. Noch am selben Tag dokumentierten zwei Luchsbeauftragte die Situation. Zahlreiche Pfotenabdrücke neben den toten Tieren und auch die Art und Größe der Bisse belegten, dass nur ein Luchs als „Täter“ in Frage kam.


Der Gehegezaun war nicht schadhaft, aber von einem Luchs problemlos zu überklettern, da er nicht elektrisch gesichert war. In solchen Fällen bieten die Regierungspräsidien den Tierhaltern fachliche Beratung zur Optimierung der Umzäunung an.

Die Tötung mehrerer Beutetiere (surplus killing) wurde noch nie bei Luchsen beobachtet, die in freier Natur jagen. In seltenen Fällen kommt sie aber in Gehegen vor, wenn dort die Nutztiere keine Fluchtmöglichkeit haben. So gab es im April 2016 Mehrfachtötungen in einem Damwild-Gatter in der bayerischen Rhön. Im Dezember riss der Kuder „Friedl“ bei Leibertingen (Baden-Württemberg) drei Schafe und zwei Ziegen und im Januar 2017 wurden bei Lobach (Niedersachsen) sieben Kamerunschafe durch einen Luchs getötet.

Luchs am Riss fotografiert

Anfang Februar 2017 gelangen im Kaufunger Wald bei Helsa (Landkreis Kassel) mehrere Aufnahmen eines Luchses an seinem Riss. Der zuständige Revierleiter hatte eine Fotofalle installiert, nachdem er eine Schleifspur entdeckt hatte, die zu einem gerissenen Reh führte. Das Beutetier hatte der Luchs mit Reisig und Schnee verblendet, sodass es auf den ersten Blick nicht zu erkennen war.


In den folgenden Nächten kehrte das Tier mehrfach zu seinem Riss zurück. Ein Fellvergleich ergab, dass auf den Bildern mit hoher Wahrscheinlichkeit der Kuder „Felux“ zu sehen ist, zu dessen Streifgebiet auch der Wald bei Helsa gehört.

Erster Luchsnachweis im Reinhardswald

Nach etlichen Sichtungen im Reinhardswald (Landkreis Kassel) wurde das Foto-Monitoring erneut auf dieses Gebiet ausgedehnt. Anfang Juli 2017 geriet dann auch ein Luchs in den Sensorbereich einer Kamera. Der erste C1-Nachweis im Reinhardswald.

Mittlerweile wurden weitere Sichtungen aus dem Bereich Reinhardshagen gemeldet. Eine frühere Ausbringung von Fotofallen im Reinhardswald von April bis Oktober 2016 hatte zu keinem Beleg geführt. Allerdings war im September 2016 eine Luchsin mit Jungtier gesehen worden.

Schon Ende der neunziger Jahre hatte man dort über längere Zeit einen Luchs beobachtet, der als „eher zierlich“ beschrieben wurde. Von daher war klar, dass in allen Fällen dasselbe Tier gesehen wurde. Die Nähe zum Tierpark Sababurg ließ damals sehr bald den Verdacht aufkommen, dass der Luchs zum dortigen Bestand gehörte und nun dabei war, auch andere Teile des Reinhardswalds zu erkunden. Doch die Sababurg-Luchse waren noch vollzählig. Das Tier musste zugewandert sein.


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